#31 – Die Sowjetunion-Reise von 1968
Shownotes
Quellen:
- „Immer weiter, ganz nach vorn“, Matthias Koch, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2013.
- „Urlaub in Sotschi statt Dribblings in Barcelona“, Berliner Zeitung vom 9.5.2001
- Interview mit Günter Hoge: „Ich habe geheult wie ein Schlosshund“, Berliner Zeitung vom 11.10.2015
- „Die Fußball-Ruhepause ist vorüber“, Berliner Zeitung vom 3.7.1968
- „Vierer-Turnier für Union“, Berliner Zeitung vom 15.7.1968
- „Schlimmer als eine Niederlage“, Horch und Guck Heft 01/2008
- „Ballzauber aus Sao Paulo“, Berliner Zeitung vom 16.7.1968
- „Brasilianischer Ballzauber“, Neue Zeit vom 18.7.1968
- „Union in der UdSSR“, Neues Deutschland vom 19.7.1968
- „An der Abwehr gescheitert“, Berliner Zeitung vom 21.7.1968
- „4:0 für Vorwärts“, Neues Deutschland vom 25.7.1968
- „Letzte Phase im Intercup“, Berliner Zeitung vom 26.71968
- „Sport in Zahlen“, Berliner Zeitung vom 29.7.1968
- „Fußball, Freundschaftsspiele“, Neues Deutschland vom 29.7.1968
- Unions Gegner-Archiv: 16.7. Spiel gegen Sao Paulo 1:4
- Unions Gegner-Archiv: 20.7. Shalgiris Wilnjus 1:1
- Unions Gegner-Archiv: 23.7. Avtomobilist Zhitomir 1:1
- Unions Gegner-Archiv: 26.7. in Sotschi gegen U21-Auswahl der RSFSR 1:2
Skript
Danke
Die Musik wurde von David erstellt und die Logos von Steffi entworfen. Der Podcast beruht auf dem Konzept des famosen Geschichts-Podcasts Geschichten aus der Geschichte von Daniel Meßner und Richard Hemmer. Danke für alles!
Transkript anzeigen
Intro: Um den Fußballpokal der Hauptstadt standen sich im Poststadion die Mannschaften von Oberschöneweide, dem Pokalverteidiger und Charlottenburg gegenüber.
Intro: Der Bäckermeister aus Niederschöneweide, Theo Zobel, ruft auf einmal Eisern Union.
Intro: Eine Bankbürgschaft aus Unionslizenzunterlagen hatte sich als gefälscht herausgestellt.
Intro: Union ruft alle Berliner Fußballfans dazu auf, sich am Räumen des Stadions von Schnee und Eis zu beteiligen.
Intro: Ein Jahr lang haben die Union-Berlin-Fans an ihrem geliebten Stadion an der alten Försterei gebaut.
Intro: Jetzt ist die siebte Minute angebrochen und es gibt eine schöne Geste für die Nummer 7.
Intro: Doch die Unioner selbst werden gut beraten sein, auch in der Stunde der Euphorie niemals zu vergessen, was war, um so zu bleiben, wie sie sind.
Daniel Roßbach: Hallo und herzlich willkommen zu Folge 31 von Und niemals vergessen, dem Podcast über die Geschichte des 1. FC Union Berlin und seiner Vorgängervereine des Fußballs in Oberschöneweide sozusagen.
Daniel Roßbach: Und da sind jetzt wieder drei Wochen vergangen. Das heißt, wir sind jetzt wieder hier und erzählen uns gegenseitig eine Geschichte.
Daniel Roßbach: Wir, das sind ich, Daniel und du, Sebastian. Hallo.
Sebastian Fiebrig: Hallo aus Berlin.
Daniel Roßbach: Genau. Und ich habe das letzte Mal was erzählt. Das heißt, wir sind gleich wieder gespannt, was du uns erzählst. Und ich frage dich wie immer, ob du dich noch erinnerst, was ich dir denn beim letzten Mal für eine Geschichte erzählt habe.
Sebastian Fiebrig: Ja, du hast eine Geschichte erzählt, die mir gar nicht so im Sinn war, nämlich von Christian Fährmann und wie er quasi das Vertragswesen für Profifußballer mit der Vereinigung der Vertragsfußballer revolutionieren wollte, indem sie gegen Union und Strafen, also Disziplinarstrafen geklagt haben.
Sebastian Fiebrig: Aber es hat am Ende nicht so gut geklappt und so ist kein Bosmann aus Fährmann geworden.
Daniel Roßbach: Ganz genau. Und anders als Jean-Marie Bosmann, den Vornamen kennt man nicht so gut.
Daniel Roßbach: Marc Bosmann.
Daniel Roßbach: Marc Bosmann, genau. Jean-Marie Pfaff habe ich gleich da jetzt gerade im Kopf gehabt.
Daniel Roßbach: Hauptsache Serien.
Daniel Roßbach: Anders als Bosmann ist eben der Name von Christian Fährmann nicht synonym mit so einer Entwicklung im Profifußball.
Daniel Roßbach: Aber immerhin hat es noch für eine Episode in diesem Podcast gereicht.
Sebastian Fiebrig: Er wird sich bedanken, falls er sie jemals hört.
Daniel Roßbach: Ich bin mir nicht ganz sicher.
Daniel Roßbach: Gut, ich auch nicht.
Sebastian Fiebrig: Daniel, darf ich dir heute eine wunderbare Geschichte erzählen?
Sebastian Fiebrig: Wir gehen ein bisschen weiter zurück.
Sebastian Fiebrig: Sehr gerne.
Sebastian Fiebrig: Leider nicht so weit, wie ich gerne wollte,
Sebastian Fiebrig: weil Corona noch dafür sorgt,
Sebastian Fiebrig: dass nicht alle Archive so offen haben, wie ich es gerne hätte.
Sebastian Fiebrig: Und ich habe mich dann halt bei was bedient,
Sebastian Fiebrig: wo wir ja nicht in die 90er zurückgehen,
Sebastian Fiebrig: wo wir sonst gerne unterwegs sind
Sebastian Fiebrig: oder die frühen Nullerjahre, wenn die Archive zu sind.
Sebastian Fiebrig: Aber wir gehen mal in die 60er Jahre.
Sebastian Fiebrig: Das ist ja die Anfangszeit des 1. FC Union Berlin.
Sebastian Fiebrig: Und ich muss gleich mal so den schlechtesten Pitch für eine Geschichte machen,
Sebastian Fiebrig: den es gibt.
Sebastian Fiebrig: Die Geschichte ist eigentlich gar keine Geschichte.
Sebastian Fiebrig: Jedenfalls nicht im eigentlichen Sinne.
Sebastian Fiebrig: Das ist jetzt nicht so mit irgendeinem Helden oder sowas.
Sebastian Fiebrig: Aber ich fand sie trotzdem wichtig zu erzählen,
Sebastian Fiebrig: weil sie ein bisschen anschließt an eine Episode, die du gemacht hast,
Sebastian Fiebrig: nämlich Episode 4.
Sebastian Fiebrig: Da ging es um den Europapokalauftritt von Union 1968
Sebastian Fiebrig: beziehungsweise wie dieser
Sebastian Fiebrig: eben Union und
Sebastian Fiebrig: der Mannschaft verwehrt wurde durch den
Sebastian Fiebrig: Prager Frühling, beziehungsweise durch
Sebastian Fiebrig: die Beendigung des Prager Frühlings, so muss man es ja
Sebastian Fiebrig: korrekterweise sagen.
Sebastian Fiebrig: Und die Reaktion darauf.
Sebastian Fiebrig: Und ich hatte
Sebastian Fiebrig: mir, weil da ein Interview
Sebastian Fiebrig: zitiert wird,
Sebastian Fiebrig: zur Aufgabe gemacht, mal mit einem
Sebastian Fiebrig: kleinen Märchen, das ist vielleicht zu viel gesagt,
Sebastian Fiebrig: aber eine Art Erzählung aufzuräumen.
Sebastian Fiebrig: Und zwar hast du
Sebastian Fiebrig: dort ein Interview mit Jimmy Hoge aus der Berliner Zeitung zitiert.
Sebastian Fiebrig: Und da war die Frage, das ist von 2015 das Interview,
Sebastian Fiebrig: und da war die Frage an Jimmy Hoge,
Sebastian Fiebrig: was war ihre größte Enttäuschung als Spieler?
Sebastian Fiebrig: Und dann antwortet Jimmy Hoge,
Sebastian Fiebrig: die kam gleich nach dem Pokalsieg,
Sebastian Fiebrig: als uns durch die Ereignisse beim Prager Frühling
Sebastian Fiebrig: und der Boykottpolitik die Teilnahme im Europapokal verwehrt wurde.
Sebastian Fiebrig: Wir bekamen FK Bor zugelost und wussten,
Sebastian Fiebrig: dass wir die schlagen würden.
Sebastian Fiebrig: Dann kam alles anders und man spendierte uns zum Trost
Sebastian Fiebrig: eine Mannschaftsreise nach Sotschi.
Sebastian Fiebrig: Aber das konnte das natürlich nicht wettmachen.
Sebastian Fiebrig: Europapokal spielst du vielleicht ein oder zwei Mal im Leben.
Sebastian Fiebrig: Jedenfalls als Spieler des 1. FC Union Berlin,
Sebastian Fiebrig: beziehungsweise nämlich niemals.
Sebastian Fiebrig: Und Jimmy Hoge ist aber nicht die einzige Person,
Sebastian Fiebrig: die diese Geschichte so herum erzählt hat.
Sebastian Fiebrig: Europapokal, Boykott und dafür dürft ihr einmal
Sebastian Fiebrig: in die Sowjetunion nach Sotschi fahren.
Sebastian Fiebrig: Und das gibt es nochmal in der Berliner Zeitung, diesmal vom 9. Mai 2001, also ein paar Wochen, zweieinhalb Wochen ungefähr, vom DFB-Pokalfinale zwischen Schalke und Union.
Sebastian Fiebrig: Und unter der Überschrift Urlaub in Sotschi statt Dribblings in Barcelona schrieb die Berliner Zeitung folgende Zeilen.
Sebastian Fiebrig: Die Union-Mannschaft flog als Ersatz für den entgangenen Auftritt auf der europäischen Bühne für zwei Wochen in die Sowjetunion.
Sebastian Fiebrig: Man spielte in Vilnius und in Moskau und hielt sich zuletzt am Schwarzen Meer im schönen Kurort Sotschi auf.
Sebastian Fiebrig: Der damalige Vorsitzende des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes, FTGB, Herbert Warnke,
Sebastian Fiebrig: war ein glühender Anhänger des 1. FC Union und hatte über die sowjetische Gewerkschaft die Reise vermittelt.
Sebastian Fiebrig: Günter Mielis sagte dazu, wir brauchten damals nichts zu bezahlen, man las uns wirklich jeden Wunsch von den Lippen ab.
Sebastian Fiebrig: Doch Sotschi blieb nur ein Ersatz, zwar ein angenehmer, aber ungeliebter.
Sebastian Fiebrig: So, und womit ich jetzt, ey, das musst du ja erstmal ein bisschen merken, aber womit ich eigentlich erstmal aufräumen möchte, ist, dass diese Reise in die Sowjetunion ein Ersatz war, weil die Reise fand im Juli 1968 statt.
Sebastian Fiebrig: Die sowjetischen Truppen sind aber erst am 21. August 68 in die CSSR, also mit ihren Partnern, Bündnisstaaten, wie auch immer, einmarschiert.
Sebastian Fiebrig: Und danach gab es erst die Boykottdrohung für den Europapokal und 30. August, ich habe ja einfach aus deiner Folge die Sachen genommen, ich hoffe die sind richtig.
Sebastian Fiebrig: Ach, ohne Gewehr.
Sebastian Fiebrig: Am 30. August tagte dann die UEFA und hat diese Neuauslosung beschlossen von einigen Partien. Und am 13. September hat der Deutsche Fußballverband die Clubs vom Europapokal zurückgezogen. Und die Reihenfolge, die Jimmy Hoge erzählt, die auch vorher in der Berliner Zeitung der Fall auch genannt wurde, die stimmt so einfach nicht.
Sebastian Fiebrig: Also auch wenn es eine schöne Geschichte wäre, aber es ist faktisch einfach nicht richtig.
Sebastian Fiebrig: Und die richtige Reihenfolge dürfte halt Günter Mielis erzählt haben in Matze Kochs Buch immer weiter ganz nach vorn.
Sebastian Fiebrig: Der sagt nämlich, FTGB-Chef Herbert Warnke war mehr als stolz auf seinen Klub, den 1. FC Union Berlin.
Sebastian Fiebrig: Hatten wir doch den FTGB-Pokal und damit seinen Pokal gewonnen und somit die Qualifikation für internationale Begegnungen erreicht.
Sebastian Fiebrig: als Dank und zur Vorbereitung auf die Europapokalspiele
Sebastian Fiebrig: organisierte Warnke im Sommer 68 eine Reise in die Sowjetunion.
Sebastian Fiebrig: So, damit könnte ich eigentlich schon aufhören.
Sebastian Fiebrig: Aber das mache ich natürlich nicht.
Sebastian Fiebrig: Aber so ein Irrtum, das möchte ich erstmal vorhin wegsagen.
Sebastian Fiebrig: Niemand erzählt sowas irgendwie fahrlässig oder sonst wie.
Sebastian Fiebrig: Das ist total normal.
Sebastian Fiebrig: Auch gerade beim Erzählen von Ereignissen aus eigenem Erleben.
Sebastian Fiebrig: Das ist so ein Hauptkritikpunkt, wenn man sich so ein bisschen mit Geschichte befasst, an Oral History, also an mündlich übertragener Geschichte.
Sebastian Fiebrig: Also wenn Zeitzeugen sich erinnern und die Erinnerung oder das Ereignis halt sehr weit zurückliegt, dann passiert das nämlich, dass einerseits die Geschichten so ein bisschen mehr ausgeschmückt werden,
Sebastian Fiebrig: weil man schon weiß, wie das Gegenüber, also das Publikum so ein bisschen reagiert und welche Teile sie besonders toll finden und dann werden die Poenken immer besser.
Sebastian Fiebrig: Und es ist einfach auch so, dass man manchmal bei so Befragungen von Zeitzeugen auch besonders suggestiv vorgeht.
Sebastian Fiebrig: Und das kriegt man dann aber in den Texten nie zu hören, wie gefragt wurde.
Sebastian Fiebrig: Und das ist so ein bisschen Kritik an diese Oral History und deswegen ist es ganz günstig.
Sebastian Fiebrig: Also ich finde das trotzdem toll, also Oral History.
Sebastian Fiebrig: Ich mochte alle Sachen von Svetlana Alexejewitsch, die ja quasi so in Europa eine der Pionierinnen der Oral History ist.
Sebastian Fiebrig: Aber es lohnt sich halt immer, wenn möglich auch Fakten dem gegenüberzustellen.
Daniel Roßbach: Und manchmal ist ja noch nicht mal so sehr viel, was sich verschieben muss, um dann sowas, was in der Weise wie das Falsches, was du gerade gesagt hast, zu produzieren.
Daniel Roßbach: Da reicht es ja schon, wenn vielleicht dann in einem Gespräch mit der Mannschaft, in dem irgendwie ihnen erklärt wurde, dass sie jetzt nicht am Europapokal teilnehmen dürfen, dann vielleicht jemand, was gesagt wird, hier ist ja alles nicht so schlimm, guck mal, ihr habt ja auch für den Pokalsieg die Reise nach Sotschi geschenkt bekommen sozusagen.
Daniel Roßbach: Das heißt, dass zwischen den beiden Ereignissen irgendwann mal eine Verbindung hergestellt wird, das kann man sich so mal vorstellen. Und dann mit den ganzen Faktoren, die du gerade schon gesagt hast, mit der Zeit, die dann vergeht, mit dem Ausschmücken der Zusammenhänge oder dem Herstellen von Zusammenhängen, die man irgendwie rückwirkend konstruiert, dann ergeben sich solche Verschiebungen, glaube ich, schon mal.
Sebastian Fiebrig: Genau, aber ich will jetzt nicht einfach aufhören, sondern ich habe gedacht, weil ich halt wahnsinnig viel gelesen habe dazu und in den Archiven zu dieser Reise in die Sowjetunion und da so auf ein paar Widersprüche oder lustige Sachen gestoßen bin, dachte ich, das kann ich ja alles mal erzählen.
Sebastian Fiebrig: Und dann nehmen wir einfach das so als Unionsreise in die Sowjetunion, merken uns die Korrektur vom Anfang, einfach für später, falls wir irgendwann wem tolle Geschichten erzählen wollen. Und ich erzähle jetzt so ein bisschen, was bei Union zwischen dem Pokalsieg am 9. Juni 68 und dem Saisonstart am so und so 4. August, ich glaube 17. August 68 passiert ist.
Sebastian Fiebrig: Denn die Vorbereitung war für eine DDR-Oberligamannschaft und erst recht für den 1. FC Union durchaus ungewöhnlich.
Sebastian Fiebrig: Zuerst fängt aber alles ganz normal an.
Sebastian Fiebrig: Am 3. Juli schreibt die Berliner Zeitung, ganz kurz Einschub,
Sebastian Fiebrig: ich habe wahnsinnig häufig heute die Berliner Zeitung das Neue Deutschland oder die Neue Zeit,
Sebastian Fiebrig: Zentralorgan der christlich-demokratischen Union gewesen, als Quellen,
Sebastian Fiebrig: weil das die waren, die ich tatsächlich im Archiv bis damals durchsuchen konnte.
Sebastian Fiebrig: Also ich habe jetzt nicht Sportecho oder so drin gehabt.
Sebastian Fiebrig: Jedenfalls schreibt am 3. Juli die Berliner Zeitung, dass Union als letztes der Berliner Oberligateams, drei Warnsinn, FC Vorwärts, BFC Dynamo und 1. FC Union Berlin, sein Training wieder aufgenommen hat und am gleichen Tag auswärts gegen die Kreisauswahl Zipsendorf spielt.
Sebastian Fiebrig: Da ich gesehen habe, wo das liegt, wollte ich dich fragen, weißt du denn, wo Zipsendorf sich befindet?
Daniel Roßbach: Ich könnte jetzt Vermutungen anstellen,
Daniel Roßbach: da du das so fragst, aber ich habe keine Ahnung.
Sebastian Fiebrig: Das ist ein Stadtteil von
Sebastian Fiebrig: Meuselwitz im Altenburger Land.
Daniel Roßbach: Ah ja.
Daniel Roßbach: Dass es in Thüringen liegen könnte, dachte ich mir
Daniel Roßbach: schon fast. Ja, so gestiv fragen kann ich.
Daniel Roßbach: Aber
Daniel Roßbach: ich habe davon original noch nie gehört.
Sebastian Fiebrig: Okay, also jedenfalls, ich weiß auch
Sebastian Fiebrig: nicht, wie Sie gespielt haben gegen die Kreisauswahl von
Sebastian Fiebrig: Zipsendorf und es spielt auch gar nicht so eine große Rolle,
Sebastian Fiebrig: denn das war einfach bloß der Auftakt.
Sebastian Fiebrig: Es gab noch so ein Viererturnier
Sebastian Fiebrig: bei Einheit Oranienbock, bei dem Union die TSG Felten mit 5-0
Sebastian Fiebrig: und Motor Hennigsdorf mit 4-2 geschlagen hat.
Sebastian Fiebrig: Und ein erster Höhepunkt der Sommervorbereitung
Sebastian Fiebrig: war ein sehr ungewöhnliches Spiel im Jansportpark am 16. Juli 1968.
Sebastian Fiebrig: Da spielte Union vor 25.000 Zuschauern,
Sebastian Fiebrig: und zwar zur zweiten Halbzeit auch unter Flutlicht,
Sebastian Fiebrig: wie im Bericht bemerkt wurde,
Sebastian Fiebrig: gegen den FC Portuguesa Sao Paulo.
Sebastian Fiebrig: Und es ist eigentlich ungewöhnlich, dass Union dieses Spiel zugestanden wurde,
Sebastian Fiebrig: denn der FC Vorwärts war bei Weitem der erfolgreichere Klub in der Hauptstadt.
Sebastian Fiebrig: Und Klubgrundist Gerald Kaper hat dazu mal geschrieben,
Sebastian Fiebrig: eine trotz des Pokalsieges ungewöhnliche Entscheidung,
Sebastian Fiebrig: bedeuten doch gerade für Union internationale Freundschaftsspiele
Sebastian Fiebrig: in der Regel Begegnungen mit polnischen und tschechoslowakischen Vereinen.
Sebastian Fiebrig: Für die Zuschauer wie auch für die Spieler sind es meist wenig attraktive Paarungen.
Sebastian Fiebrig: Und jetzt ist natürlich die Frage, warum wurde denn Union ausgewählt? Ich kann es jetzt auch nicht beantworten. Ich habe so ein bisschen eine Vermutung, wie damals, als du vom Besuch des FIFA-Präsidenten erzählt hattest, Episode 12, glaube ich, oder so.
Sebastian Fiebrig: Ja, da hattest du ja als Begründung, dass er unbedingt jetzt nicht sich vor so einem Propaganda-Pferd spannen lassen wollte. Ist das richtig? Wagen, Wagen, nicht Pferd. Und dann gesagt hat…
Daniel Roßbach: Ein Propaganda-Pferd sein, so.
Sebastian Fiebrig: Ja, genau. Und dass er deswegen lieber einen zivilen Verein besuchen wollte.
Daniel Roßbach: Folge 8 übrigens für alle, die nachhören wollen.
Sebastian Fiebrig: Ja, bitte, unbedingt. Auf jeden Fall eine tolle Geschichte. Und deswegen vielleicht hat auch dieser brasilianische Klub nicht gegen Vorwärts, der ein Armeeverein war, oder Dynamo, Innenministerium bzw. Geheimdienst, gespielt. Aber wir wissen es nicht genau. Also ich jedenfalls nicht. Und ich habe auch nichts weiter dazu gefunden, wo klar wurde, was da ist.
Sebastian Fiebrig: Jedenfalls hat Trainer Werner Schwenzfeier vor dem Spiel gesagt, für uns beginnt praktisch mit dem Treffen gegen Sao Paulo eine neue Etappe vor dem Oberligameisterschaftsstart am 17. August.
Sebastian Fiebrig: Nach dem heutigen Spiel geht es nämlich am Donnerstag zu drei Vergleichskämpfen in die Sowjetunion und zwar nach Vilnius, Riga und Sotschi.
Sebastian Fiebrig: Ich konnte den FC Portuguesa bei seinem 1 zu 0 in Rostock beobachten.
Sebastian Fiebrig: Es war offensichtlich, wie konzentriert er wirkte,
Sebastian Fiebrig: denn ein voller Erfolg gegen den Vizemeister der DDR
Sebastian Fiebrig: ist schließlich in der späteren Gesamtbilanz ein Aktivposten.
Sebastian Fiebrig: Ich habe diesen Satz nicht verstanden, aber bitte.
Sebastian Fiebrig: Nicht anders sollte er auch uns als Pokalsieger gegenüber treten.
Sebastian Fiebrig: Viel wichtiger als diese Parteiprose,
Sebastian Fiebrig: oder was auch immer Werner Schwenzfeier gesagt hat,
Sebastian Fiebrig: beziehungsweise was aus seinen Worten dann gemacht wurde.
Sebastian Fiebrig: ist ja ganz wichtig, zu welchen Spielen in die Sowjetunion gereist werden sollte.
Sebastian Fiebrig: Und zwar nach Vilnius, Riga und Sotschi.
Sebastian Fiebrig: Und du hast ja vorhin bei der Berliner Zeitung schon gehört,
Sebastian Fiebrig: es gab auch ein Spiel in Moskau, jedenfalls haben sie es gesagt.
Sebastian Fiebrig: Einfach mal im Hinterkopf behalten, komme ich nachher nochmal drauf.
Sebastian Fiebrig: Union verlor dieses Spiel 4 zu 1 gegen Sao Paulo,
Sebastian Fiebrig: ist aber 1 zu 0 durch Harald Zettler immerhin in Führung gegangen.
Sebastian Fiebrig: Und Sao Paulo, die haben jetzt nicht nur gegen Union gespielt und auch nicht nur gegen Hansa Rostock, sondern die haben in der DDR auch gegen Sachsenring Zwickau und den Halleschen FC Chemie gespielt. Halle war die einzige Mannschaft, die Sao Paulo besiegen konnte.
Sebastian Fiebrig: Und dann so als Nachsatz, quasi nach Redaktionsschluss noch hingeschrieben in den Artikel, stand dann, dass sie danach auch noch zusätzlich, weil sie sowieso noch, die waren für drei Monate in Europa, noch einen Monat da waren in Europa, dass sie gleich noch gegen Chemie Leipzig und Dynamo Dresden spielen werden.
Sebastian Fiebrig: Also ich glaube, die haben eine halbe Spielrunde der DDR-Oberliga hinter sich gebracht dort.
Sebastian Fiebrig: Und dann sagst du halt, okay, ist das das Sao Paulo, an das ich denke?
Sebastian Fiebrig: Mit Pelé und so?
Daniel Roßbach: Und ich sage natürlich...
Daniel Roßbach: Pelé hat sowieso ja nicht bei Sao Paulo, sondern bei Santos gespielt.
Sebastian Fiebrig: Ach, Santos, wer war denn Sao Paulo?
Daniel Roßbach: FC Sao Paulo ist zum Beispiel Roberto Cengi, der legendäre Torhüter,
Daniel Roßbach: der viele Freistoßtore geschossen hat und sowas.
Daniel Roßbach: und ich habe auch gerade nochmal nachgeschaut,
Daniel Roßbach: wenn mir das auch gerade nochmal
Daniel Roßbach: aufgestoßen war, die heißen
Daniel Roßbach: auch gar nicht richtig FC
Daniel Roßbach: Portuguesa Sao Paulo, sondern
Daniel Roßbach: Asociar João
Daniel Roßbach: Portuguesa de Desportos
Daniel Roßbach: und werden dann Portuguesa
Daniel Roßbach: abgekürzt.
Daniel Roßbach: Ansonsten ist es unpräzise.
Daniel Roßbach: Ja,
Sebastian Fiebrig: das ist richtig.
Sebastian Fiebrig: Der bekannteste Spieler von
Sebastian Fiebrig: diesem Sao Paulo dürfte
Sebastian Fiebrig: Seruperto, also aus unserer Sicht jedenfalls,
Sebastian Fiebrig: gewesen sein. Ich glaube, es gab bessere Spieler als
Sebastian Fiebrig: Seruperto insgesamt.
Sebastian Fiebrig: Aber insgesamt gab es nicht viele bessere
Daniel Roßbach: Spieler als Seruperto.
Sebastian Fiebrig: Natürlich nicht. Ist das ein Zehner gewesen?
Sebastian Fiebrig: Oder wieso verteidigst du ihn gerade so?
Daniel Roßbach: Unter anderem.
Daniel Roßbach: Zehner, der später
Daniel Roßbach: hervorragender Achter war.
Daniel Roßbach: Sehr gut.
Daniel Roßbach: Okay.
Sebastian Fiebrig: Ich lasse das jetzt da hingestellt.
Sebastian Fiebrig: Seruperto, wenn ihr irgendwie
Sebastian Fiebrig: Kneipenwissen bringen wollt und jemand fragt euch
Sebastian Fiebrig: ein bekannter Spieler von Portugieser Sao Paulo,
Sebastian Fiebrig: dann nennt ihn.
Sebastian Fiebrig: Also, aber Union hat das jetzt nicht weiter beeinträchtigt,
Sebastian Fiebrig: diese 4-1-Niederlage, denn sie sind ja in die Sowjetunion gefahren.
Sebastian Fiebrig: Problem jetzt wird, ab dann werden die Informationen sehr, sehr spärlich.
Sebastian Fiebrig: Logisch, ja, also 1968, wenn so eine Mannschaft dann in die Sowjetunion reist,
Sebastian Fiebrig: dann fährt da jetzt nicht so ein Medientross, wie wir das kennen, mit.
Sebastian Fiebrig: Zumal die Grenzen ja auch nicht besonders offen waren, um es mal freundlich zu sagen.
Sebastian Fiebrig: Ehrlich gesagt, waren sie ganz schön zu, auch für Bruderstaaten.
Sebastian Fiebrig: So, das Neue Deutschland schrieb jedenfalls, dass es zuerst gegen Riga,
Sebastian Fiebrig: dann am 22. Juli gegen Vilnius und am 26. Juli gegen Sotschi gehen sollte.
Sebastian Fiebrig: Das heißt so von der Ostsee Richtung Schwarzes Meer.
Sebastian Fiebrig: Es kam allerdings ein bisschen anders, denn schon am 21. Juli schreibt die Berliner Zeitung
Sebastian Fiebrig: in der Meldung von einem 1-1,
Sebastian Fiebrig: das Union bei Schalgiris Vilnius erreicht habe.
Sebastian Fiebrig: Torschütze für Union, Meinhard Oehns.
Sebastian Fiebrig: Du merkst also, Spiel gegen Vilnius,
Sebastian Fiebrig: erstmal zwei Tage vorher schon stattgefunden.
Sebastian Fiebrig: Von Riga ist schon keine Rede mehr.
Sebastian Fiebrig: Moskau übrigens, was vorhin in der Berliner Zeitung mal erwähnt wurde,
Sebastian Fiebrig: gab es überhaupt gar nicht.
Sebastian Fiebrig: Und dafür überrascht das neue Deutschland dann am 25. Juli
Sebastian Fiebrig: mit einer Meldung von einem Spiel zwei Tage zuvor.
Sebastian Fiebrig: Der 1. FC Union beendete auch sein zweites Spiel in der UDSSR
Sebastian Fiebrig: bei Avtomobilist Chitomir 1 zu 1.
Sebastian Fiebrig: Den Ausgleich erzielte Stoppok.
Daniel Roßbach: Von denen haben wir, glaube ich, schon mal gesprochen,
Daniel Roßbach: auch in diesem Podcast hier von Avtomobilist.
Sebastian Fiebrig: Kann sein, weiß ich nicht.
Daniel Roßbach: Ja, bin mir ziemlich sicher.
Sebastian Fiebrig: Bist du hier ziemlich sicher?
Sebastian Fiebrig: Okay, ich mir gar nicht, aber finden wir noch raus.
Sebastian Fiebrig: Reichen wir nach.
Sebastian Fiebrig: Wir verlinken es, sagt man immer.
Sebastian Fiebrig: Und macht es dann nie.
Sebastian Fiebrig: Ähnlich vermeldet es die Berliner Zeitung jedenfalls einen Tag später.
Sebastian Fiebrig: Und diese Zweisatzmeldung, mehr ist das ja auch nicht, muss man sich heute mal vorstellen,
Sebastian Fiebrig: die kam über Nachrichtenticker, also das Nachrichtenagentur.
Sebastian Fiebrig: Warum die Reisepläne jetzt komplett umgeworfen wurden und man da in Schitomir in der Ukraine Halt gemacht hat,
Sebastian Fiebrig: keine Ahnung, wird auch nicht hinterfragt.
Sebastian Fiebrig: Und ich hätte gern ein bisschen mehr erfahren und hatte ein bisschen gehofft auf neue Fußballwoche
Sebastian Fiebrig: oder deutsches Sportecho, aber da kam ich ja jetzt nicht in die Archive rein gerade.
Sebastian Fiebrig: Aber durch einen Zufall habe ich einen Spielbericht aus Shitomir bekommen,
Sebastian Fiebrig: der auf Ukrainisch geschrieben wurde, was ich total interessant fand,
Sebastian Fiebrig: weil ich war so der Überzeugung, es wäre alles auf Russisch gewesen.
Sebastian Fiebrig: Und die Überschrift lautet,
Sebastian Fiebrig: Poczesna Nitya, also Ehrenwert ist unentschieden.
Sebastian Fiebrig: Und ich kann zwar Ukrainisch so lesen, dass ich ungefähr den Sinn verstehe,
Sebastian Fiebrig: aber ich kann es nicht super gut übersetzen.
Sebastian Fiebrig: Und ich habe es einfach nochmal richtig übersetzen lassen.
Sebastian Fiebrig: Und jetzt mal hier so ein Spielbericht von so einem Freundschaftsbier in Schitomir.
Sebastian Fiebrig: Das erste Mal in dieser Saison fand ein internationales Fußballtreffen in Schitomir statt.
Sebastian Fiebrig: In dem Stadion der Lenin-Komsomol, das ist hier, ich kann es jetzt einmal auch richtig aussprechen,
Sebastian Fiebrig: das ist hier Sajusny Leninsky Komnisticheski Sajus Maladjorge, also der quasi sowjetischen FDJ,
Sebastian Fiebrig: hat sich das Automobilist-Team mit einem der besten Teams der DDR, Union, getroffen.
Sebastian Fiebrig: Das Spiel war interessant und angespannt.
Sebastian Fiebrig: Von Beginn an hat die Heimannschaft die Initiative ergriffen.
Sebastian Fiebrig: Es gab viele knappe Torschancen.
Sebastian Fiebrig: Aber die letzten Schüsse der Stürmer waren viel zu unpräzise.
Sebastian Fiebrig: Viele gute Situationen, um ein Tor zu schießen, wurden nicht genutzt.
Sebastian Fiebrig: Das erste Tor wurde von Gorelov in der 18. Minute geschossen.
Sebastian Fiebrig: Er war derjenige, der wenige Minuten danach fast ein zweites Tor schoss,
Sebastian Fiebrig: aber der Ball flog neben das leere Tor.
Sebastian Fiebrig: In dem Moment hat Korsow noch eine Chance nicht ausgenutzt.
Sebastian Fiebrig: Nach seinem Schuss hat der Torwart der Gastmannschaft den Ball zur Ecke pariert.
Sebastian Fiebrig: Die Gastmannschaft hat gefährlich gekontert.
Sebastian Fiebrig: Einige Minuten vor der Pause hat Stoppok einen Kopfball Richtung Tor von Avtomobilist geschossen und getroffen.
Sebastian Fiebrig: Die zweite Hälfte verlief vorteilhaft für die Gastmannschaft, aber das Unentschieden blieb bestehen.
Sebastian Fiebrig: Das Spiel war in einer warmen und freundschaftlichen Atmosphäre verlaufen und endete mit einem Unentschieden.
Sebastian Fiebrig: Es war ein ehrenwertes Unentschieden für das Avtomobilist-Team, da ihr Gegner der diesjährige Sieger des DDR-Pokals ist.
Sebastian Fiebrig: Das ist schön. So ungefähr würde ich auch Spielberichte schreiben, wenn ich nicht wüsste, wer da eigentlich auf dem Platz steht.
Sebastian Fiebrig: Weil man dann sehr sparsam mit Namen wird.
Sebastian Fiebrig: Und es gibt auch ein Foto von diesem Spiel in diesem Zeitungsausschnitt, was echt selten ist.
Sebastian Fiebrig: Normalerweise gab es zu der damaligen Zeit ganz wenig Fotos, also auch hier Berliner Zeitung und so.
Sebastian Fiebrig: da gab es eher mal eine Zeichnung oder so, die was dargestellt hat.
Sebastian Fiebrig: Und auf dem Foto steht dann halt so auf ukrainisch Nasnimku,
Sebastian Fiebrig: also auf dem Foto Moment des Spiels.
Sebastian Fiebrig: Also das war jetzt auch nicht sehr aussagekräftig,
Sebastian Fiebrig: wer da in diesem Zweikampf im Strafraum mitten,
Sebastian Fiebrig: also Torwart fängt den Ball, Stürmer hält dagegen,
Sebastian Fiebrig: wer da wer ist, keine Ahnung.
Sebastian Fiebrig: Das fand ich sehr schön.
Sebastian Fiebrig: Und ich habe diesen Ausschnitt zugeschickt bekommen von Ingo Petzer,
Sebastian Fiebrig: also der ist vielen als Stadionführer an der alten Fürsterei bekannt
Sebastian Fiebrig: und vor allem auch als Kenner aus der europäischen Fanszenen,
Sebastian Fiebrig: Fanszenen bestimmt auch, und der hat mir diesen Spielbericht geschickt.
Sebastian Fiebrig: Und es gibt noch eine witzige Geschichte rund um dieses Freundschaftsspiel in Gétormier,
Sebastian Fiebrig: denn das Union-Team hat als Gastgeschenk ein Akkordeon erhalten
Sebastian Fiebrig: und der Grund soll wohl sein, dass es in Gétormier eine bekannte Akkordeonfabrik gab.
Sebastian Fiebrig: Ich habe dazu keine Belege gefunden.
Sebastian Fiebrig: Ich habe aber auch nur ganz fix auf Deutsch gesucht.
Sebastian Fiebrig: Also vielleicht nicht.
Sebastian Fiebrig: Auf jeden Fall gibt es dieses Akkordeon aber nicht im Unionbesitz.
Sebastian Fiebrig: Das kann ich mal sagen.
Sebastian Fiebrig: Denn es hat sehr wahrscheinlich nicht den Weg nach Berlin gefunden,
Sebastian Fiebrig: sondern soll vor Ort einem Jungen geschenkt worden sein.
Sebastian Fiebrig: Ich kann mir auch vorstellen,
Sebastian Fiebrig: dass nicht jeder Spieler damals Lust hatte,
Sebastian Fiebrig: als schweres Gepäck so ein Akkordeon mitzuschleppen,
Sebastian Fiebrig: anstatt andere Sachen aus der Sowjetunion mitzunehmen,
Sebastian Fiebrig: die vielleicht leichter zu verstaunen waren
Sebastian Fiebrig: und dem Gegenüber vielleicht auch mehr Freude gebracht hätten.
Sebastian Fiebrig: Sagen wir es mal so.
Sebastian Fiebrig: Aber ich habe von einem bekannten Akkordeonspieler gelesen,
Sebastian Fiebrig: der aus Jitormir kam und hatte überlegt,
Sebastian Fiebrig: ob das was mit der Fabrik zu tun hat.
Sebastian Fiebrig: Aber ich habe es aufgegeben.
Sebastian Fiebrig: Ja, also das jedenfalls zu diesem Spiel in Jitormir.
Sebastian Fiebrig: Und am 26. Juli fand dann noch das Spiel in Sotschi statt.
Sebastian Fiebrig: Das hat tatsächlich stattgefunden.
Sebastian Fiebrig: Union hat es mit 1 zu 2 verloren.
Sebastian Fiebrig: Der Gegner ist nicht ganz klar, weil im Gegnerarchiv des 1. FC Union Berlin ist von einer U21-Auswahl der russisch-sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik die Rede.
Sebastian Fiebrig: Damals aber sprechen sowohl das Neue Deutschland als auch die Berliner Zeitung von einer Auswahl der Gewerkschaften. Und wenn wir mal so ein bisschen zusammenreimen, dass Herbert Warnke, der das organisiert hat, FDGB-Chef, also Gewerkschaftsfunktionär, und zwar der oberste in der DDR war, und das über die Gewerkschaft in der Sowjetunion organisiert war, ist die Vermutung nah und liegt nah, dass sie halt auch gegen eine Auswahl der Gewerkschaften eigentlich wirklich gespielt haben.
Sebastian Fiebrig: So eine Jugendauswahl.
Sebastian Fiebrig: Aber ist eigentlich auch egal,
Sebastian Fiebrig: denn die Reise war ja eher eine Auszeichnung
Sebastian Fiebrig: und es ging jetzt gar nicht so sehr darum,
Sebastian Fiebrig: dass man da im Wettkampf mit den anderen Mannschaften ist,
Sebastian Fiebrig: sondern es ging darum, sich irgendwie auf diese Saison vorzubereiten
Sebastian Fiebrig: und eine gute Zeit zu haben, sagen wir es mal so.
Sebastian Fiebrig: Oder wie Günther Mieders es ja am Anfang so schön gesagt hat,
Sebastian Fiebrig: wir brauchten damals nichts zu bezahlen,
Sebastian Fiebrig: man las uns wirklich jeden Wunsch von den Lippen ab.
Sebastian Fiebrig: schade eigentlich, dass diese
Sebastian Fiebrig: wirkliche Belohnung mit dem Europapokal
Sebastian Fiebrig: dann geraubt wurde, aber das wussten die Spieler
Sebastian Fiebrig: damals nicht
Sebastian Fiebrig: Union ist dann, also danach hat sich
Sebastian Fiebrig: in einem Testspiel gegen
Sebastian Fiebrig: oh Gott, ich habe die polnischen Namen vergessen
Sebastian Fiebrig: von der Mannschaft
Sebastian Fiebrig: Jimmy Hoge ist bein gebrochen
Sebastian Fiebrig: und Union ist deshalb
Sebastian Fiebrig: und wegen noch ein paar anderen Sachen eher mit gemischten Gefühlen
Sebastian Fiebrig: in die Saison 68, 69
Sebastian Fiebrig: gestartet, denn neben Jimmy Hoge
Sebastian Fiebrig: hatte sich noch eine Reihe von Stammspielern verletzt.
Sebastian Fiebrig: Und die Kader waren ja damals nicht so breit wie heute,
Sebastian Fiebrig: schon gar nicht so breit wie der von Union heute.
Sebastian Fiebrig: Und die Berliner Zeitung schrieb am 14. August 1968,
Sebastian Fiebrig: also quasi vor dem Startwochenende der DDR-Oberliga,
Sebastian Fiebrig: erfreuliches und weniger erbauliches wussten Paul Fettback,
Sebastian Fiebrig: das war der Klubsekretär, also der Klubchef damals,
Sebastian Fiebrig: und Werner Schwenzfeier zu vermelden.
Sebastian Fiebrig: Zu den positiven Seiten ist die Erweiterung des Stadions
Sebastian Fiebrig: Um etwa 1000 Stehplätze zu zählen. Auf dem frisch aufgeschütteten Damm wurden fünf Stehplatztraversen fertiggestellt. Bis Oktober sollen die Bauarbeiten beendet sein, sodass 18.000 Zuschauer den Spielen beiwohnen können.
Sebastian Fiebrig: Dagegen wird Werner Schwenzfeier schon vor dem Anpfiff zum ersten Spiel am Sonnabend gegen den FC Hansa Rostock von Aufstellungssorgen geplagt.
Sebastian Fiebrig: Nach Hoge, der das Wadenbein brach, stehen nun auch Stoppock, Hilmann und Üns auf der Verletztenliste.
Sebastian Fiebrig: Darunter litt selbstverständlich unsere Vorbereitung,
Sebastian Fiebrig: zumal wir uns vorgenommen hatten,
Sebastian Fiebrig: durch neue Aufstellungsvarianten Laug und Bethke
Sebastian Fiebrig: unseren Sturm zu verstärken, sagte Schwenzfeier.
Sebastian Fiebrig: Hat er recht und sehr knapp ist Union
Sebastian Fiebrig: auch am Ende dieser Saison dann abgestiegen.
Sebastian Fiebrig: Aber das ist eine andere Geschichte.
Sebastian Fiebrig: Daniel, das ist meine kurze Geschichte davon,
Sebastian Fiebrig: wie Union 1968 in die Sowjetunion gereist ist
Sebastian Fiebrig: und merkwürdige Spieltermine vorher genannt wurden.
Sebastian Fiebrig: die dann später anders stattgefunden haben.
Sebastian Fiebrig: Da stellen sich ja echt
Daniel Roßbach: da stellen sich ja doch schon etliche Fragen.
Daniel Roßbach: Also ich habe mich ja auch schon gefragt, warum
Daniel Roßbach: wenn man quasi nach Sotschi fährt
Daniel Roßbach: im Endeffekt, wenn man vorher nach
Daniel Roßbach: Vilnius und Riga ist, liegt ja jetzt nicht direkt auf dem Weg.
Sebastian Fiebrig: Na, mit der Bahn fast
Sebastian Fiebrig: oder man fährt mit der Fähre über die Ostsee
Sebastian Fiebrig: und dann Riga von Riga nach
Sebastian Fiebrig: Vilnius, obwohl das geht gar nicht mit dem Zug so gut.
Sebastian Fiebrig: Mit dem Auto geht es aber.
Sebastian Fiebrig: Und dann über Minsk und dann Ukraine und dann irgendwo hinten am Schwarzen Meer.
Sebastian Fiebrig: Naja, vielleicht sind sie auch geflogen, ich weiß es nicht.
Sebastian Fiebrig: Vielleicht war das der erste Strich an Moskau.
Sebastian Fiebrig: Ich habe keine Ahnung, es waren die Hauptstädte der jeweiligen Sowjetrepubliken.
Sebastian Fiebrig: Vielleicht war es irgendwie mit irgendwelchen Gewerkschaftsfunktionären von den jeweiligen Sowjetrepubliken was abgedealt oder so, um das zusammenzukriegen.
Sebastian Fiebrig: Man muss ja irgendwelche Ferienplätze, ich habe schon überlegt, ob der Warnke dann so von dem FTGB zustehenden Ferienplätzen welche abgezweigt hatte und die dann einfach Union gegeben hat.
Sebastian Fiebrig: Es gibt viele Möglichkeiten, dazu müsste man glaube ich noch ein bisschen mehr in die Archive hüpfen.
Sebastian Fiebrig: Und zwar dann in die Archive, die dann halt eher die Korrespondenz von Herbert Warnke mal ein bisschen durchleuchten.
Sebastian Fiebrig: Aber es war mir jetzt nicht so wichtig, ehrlich gesagt.
Sebastian Fiebrig: Ich fand es nur tatsächlich witzig, dass man offiziell angibt, dort und dorthin zu fahren,
Sebastian Fiebrig: das aber eigentlich gar nicht so stattfand.
Sebastian Fiebrig: Dafür macht man überraschend Spiele, von denen man nie was gesagt hat.
Sebastian Fiebrig: Und das ist schon schräg, sagen wir es mal so.
Sebastian Fiebrig: Aber es war andererseits schon auch abenteuerlich und man ist ja auch rausgekommen an Orte,
Sebastian Fiebrig: an die normale Fußballer, auch DDR-Fußballer, nicht so leicht gekommen sind.
Sebastian Fiebrig: einerseits konnte man gegen
Sebastian Fiebrig: eine brasilianische Mannschaft spielen.
Sebastian Fiebrig: Welcher Spieler von Union hatte schon Erfahrung
Sebastian Fiebrig: irgendwie mit Südamerika? Ich glaube, Jimmy Hoge
Sebastian Fiebrig: war der Einzige, der ein Jahr zuvor irgendwie bei dieser
Sebastian Fiebrig: Chile-Reise der DDR-Nationalmannschaft mitgemacht
Sebastian Fiebrig: hatte. Und dann
Sebastian Fiebrig: Sotschi-Plätze irgendwie
Sebastian Fiebrig: für Sotschi am Schwarzen Meer zu
Sebastian Fiebrig: kriegen, war glaube ich auch
Sebastian Fiebrig: schwer und teuer.
Sebastian Fiebrig: Das ist schon ein Riesending
Sebastian Fiebrig: gewesen, das kann ich... Aber das so
Sebastian Fiebrig: als... Verdruckst
Sebastian Fiebrig: als Trainingsreise
Sebastian Fiebrig: die werden schon auch irgendwie ihre Läufe gemacht haben
Sebastian Fiebrig: und so, aber trotzdem
Sebastian Fiebrig: ich glaube nicht, dass sie viel
Sebastian Fiebrig: und hart trainiert haben, muss man so zu sagen
Sebastian Fiebrig: die werden schon ganz gut
Sebastian Fiebrig: Ferien gemacht haben
Daniel Roßbach: mit den besagten
Daniel Roßbach: Gasgeschenken und so
Sebastian Fiebrig: ich stelle mir vor
Sebastian Fiebrig: da hätte ja wirklich jemand Akkordeon spielen können bei Union
Sebastian Fiebrig: in der Mannschaft und dann haben die dann am schwarzen
Sebastian Fiebrig: Meer so an der Uferpromenade
Sebastian Fiebrig: im Akkordeon und dann so Schenty
Sebastian Fiebrig: gesandt, nee egal
Sebastian Fiebrig: ist
Sebastian Fiebrig: jedenfalls eine lustige Geschichte insgesamt
Sebastian Fiebrig: und schade
Sebastian Fiebrig: ehrlich gesagt, dass das so von
Sebastian Fiebrig: diesen Ereignissen um
Sebastian Fiebrig: die Niederschlagung des Prager Frühlings
Sebastian Fiebrig: dann überschattet wird und auch von
Sebastian Fiebrig: Unions sehr schlechter Saison danach
Daniel Roßbach: Ja, aber
Daniel Roßbach: spannende Geschichte
Sebastian Fiebrig: Gut Daniel, dann wollen wir
Sebastian Fiebrig: Feedback-Hinweis-Blog machen?
Daniel Roßbach: Können wir gerne machen
Daniel Roßbach: Ihr könnt uns gerne Feedback geben
Daniel Roßbach: nämlich indem ihr auf unsere Webseite geht,
Daniel Roßbach: die heißt und-niemands-vergessen-podcast.de
Daniel Roßbach: und da könnt ihr Kommentare schreiben,
Daniel Roßbach: Anmerkungen dazu,
Daniel Roßbach: was ihr vielleicht für andere Quellen zu Geschichten kennt,
Daniel Roßbach: die wir hier erzählen,
Daniel Roßbach: andere Wahrnehmungen von diesen Geschichten,
Daniel Roßbach: also alles, was euch dazu auf dem Herzen liegt,
Daniel Roßbach: könnt ihr uns da schreiben.
Daniel Roßbach: Ihr könnt uns natürlich auch auf den sozialen Netzwerken finden,
Daniel Roßbach: in den sozialen Netzwerken.
Daniel Roßbach: Auf Twitter sind wir
Daniel Roßbach: und auf Facebook findet ihr uns beim Textilvergehen.
Daniel Roßbach: Und ihr könnt uns natürlich auch E-Mails schreiben,
Daniel Roßbach: wenn ihr Feedback habt,
Daniel Roßbach: das entweder persönlich an einen von uns beiden gerichtet ist
Daniel Roßbach: oder wenn ihr Themenvorschläge habt,
Daniel Roßbach: dann schreibt die doch bitte auch per E-Mail
Daniel Roßbach: an entweder Daniel oder Sebastian
Daniel Roßbach: at und minus niemals minus vergessen minus podcast.de.
Sebastian Fiebrig: Ja, dann haben wir alles durch.
Sebastian Fiebrig: Ich überlege mal, ob wir irgendwas vergessen haben, Daniel.
Sebastian Fiebrig: Ihr könnt uns natürlich auch
Daniel Roßbach: Freunden empfehlen,
Daniel Roßbach: die gerade
Daniel Roßbach: anderen Union-Content brauchen,
Daniel Roßbach: als den, den es normalerweise immer so gibt.
Daniel Roßbach: Ihr könnt uns natürlich auch gerne
Daniel Roßbach: auf Podcast-Verzeichnissen
Daniel Roßbach: empfehlen.
Daniel Roßbach: Apple Podcast.
Daniel Roßbach: Versterne und so weiter.
Sebastian Fiebrig: Podcast.io, ne?
Sebastian Fiebrig: Wie ist das?
Sebastian Fiebrig: Nein, panoptikum.io.
Sebastian Fiebrig: Gott, ich bin schon total durch den Wind.
Sebastian Fiebrig: Podcast.de, panoptikum.io.
Sebastian Fiebrig: Uns gibt es auch bei Spotify, könnt ihr auch
Sebastian Fiebrig: folgen, wenn ihr Lust habt, wenn ihr Podcast gerne bei
Sebastian Fiebrig: Spotify konsumiert. Ihr könnt aber das auch
Sebastian Fiebrig: in jeder Podcast-App eurer Wahl machen,
Daniel Roßbach: auf der Website. Und zwar besser als
Daniel Roßbach: bei Spotify. Genau, der
Sebastian Fiebrig: Klang ist viel besser dort.
Daniel Roßbach: Der Klang, die Funktion und auch das
Daniel Roßbach: Gefühl der Freiheit, die man damit unterstützt.
Sebastian Fiebrig: Natürlich. Und um Freiheit geht es uns ja hier die ganze
Sebastian Fiebrig: Zeit. Und wir hören uns in
Sebastian Fiebrig: drei Wochen wieder, Daniel. Und dann bin ich mal
Sebastian Fiebrig: gespannt, in welches Jahrzehnt der Union-Geschichte
Sebastian Fiebrig: du uns entführst.
Sebastian Fiebrig: und ob die Archive wieder offen sind.
Daniel Roßbach: Das ist tatsächlich die entscheidende Frage auch dabei.
Sebastian Fiebrig: Ja, das ist tatsächlich.
Sebastian Fiebrig: Weil ich würde noch weiter zurück,
Sebastian Fiebrig: aber das geht wirklich nur noch.
Sebastian Fiebrig: Also das ist mit Online- und Volltext-durchsuchbaren Archiven,
Sebastian Fiebrig: dann hört es relativ schnell auf, muss ich sagen.
Daniel Roßbach: Ich kann ja mal einen leichten Spoiler anbringen,
Daniel Roßbach: nämlich dass ich tatsächlich aus derselben Zeit,
Daniel Roßbach: wie der, die du heute bedeutet hast,
Daniel Roßbach: und sogar aus Archiven,
Daniel Roßbach: die du gerade schon so ein bisschen angesprochen hast,
Daniel Roßbach: eigentlich gerne was erzählen würde, aber
Daniel Roßbach: muss man schauen, wie gut das
Sebastian Fiebrig: funktioniert. Ja, und
Sebastian Fiebrig: danke nochmal dem Steuerzahler, der dafür gesorgt hat,
Sebastian Fiebrig: dass Berliner Zeitung Neues
Sebastian Fiebrig: Deutschland und Die Neue Zeit
Sebastian Fiebrig: und ein paar andere Zeitungen
Sebastian Fiebrig: Volltext durchsuchbar sind.
Sebastian Fiebrig: Das ist super.
Sebastian Fiebrig: Gut, dann mache ich jetzt das Outro.
Sebastian Fiebrig: Daniel, wir hören uns nächstes Mal. Bis
Daniel Roßbach: denn, tschüss. Ciao.
00:33:04: Auf die Wachstajas