#33 - Bezirksfürsten, Überwachung und Schiedsrichtermanipulationen: Die Besonderheiten des DDR-Fußballs

Shownotes

Quellen:

Skript

Danke

Die Musik wurde von David erstellt und die Logos von Steffi entworfen. Der Podcast beruht auf dem Konzept des famosen Geschichts-Podcasts Geschichten aus der Geschichte von Daniel Meßner und Richard Hemmer. Danke für alles!

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Sebastian Fiebrig: Und los geht's.

Speaker 2: Um den Fußballpokal der Hauptstadt stranden sich im Poststadion die Mannschaften von Oberschöneweide, dem Pokalverteidiger und Charlottenburg gegenüber.

Speaker 2: Der Bäckermeister aus Niederschöne Theo Zobel ruft auf einmal Eisern Union.

Speaker 2: Eine Bankbürgschaft aus Unions Lizenzunterlagen hatte sich als gefälscht herausgestellt.

Speaker 2: Union ist gerettet.

Speaker 2: Unions ruft alle Berliner Fußballfans dazu auf.

Speaker 2: sich am Räumen des Stadions von Schnee und Eis zu beteiligen.

Speaker 2: Ein Jahr lang haben die Union Berlin Fans an ihrem geliebten Stadion an der Alten Försterei gebaut.

Speaker 2: Jetzt ist die siebte Minute angebrochen und es gibt eine schöne Geste für die Nummer 7.

Speaker 2: Doch die Unioner

Speaker 2: Selbst werden gut beraten sein, auch in der Stunde der Euphorie niemals zu vergessen, was war, um so zu bleiben, wie sie sind.

Daniel Roßbach: Hallo und herzlich willkommen.

Daniel Roßbach: Ihr hört Folge 33 von Und niemals vergessen, dem Geschichtspodcast über den 1. FC Union Berlin und seine Vorgängervereine.

Daniel Roßbach: Letzten knapp 115 Jahre Fußballgeschichte in Köpenick-Oberschöneweide.

Daniel Roßbach: Diesen Podcast machen ich Daniel und du Sebastian.

Daniel Roßbach: Hallo!

Daniel Roßbach: Ja, Sebastian, es ist wieder mal drei Wochen her, dass wir hier gesprochen haben, dass ich dir eine Geschichte aus der Geschichte von Union erzählt habe.

Daniel Roßbach: Erinnerst du dich denn noch, welche Geschichte das war?

Sebastian Fiebrig: Ja, es war geführt ungefähr die längste Geschichte, die man erzählen kann und auch die komplizierteste, für die man so ein ganz dolles Flipchart braucht.

Sebastian Fiebrig: wo man dann halt so Zeitstrahl und was, wann, wie passierte, wer was machte, es ging nämlich darum, dass der Berliner

Sebastian Fiebrig: Senat Union ein Grundstück zur Entwicklung zur Verfügung gestellt hatte, damit Union irgendwie zu Geld kommt.

Sebastian Fiebrig: Und Union hat dieses Grundstück an den

Sebastian Fiebrig: damaligen Sponsor Albrecht weitergegeben.

Sebastian Fiebrig: Dann wurde eine Grundschuld eingetragen um die 12 Millionen Mark, um die es dann ungefähr so ging.

Sebastian Fiebrig: Die wandern weg und passiert es auf diesem Grundstück, aber nichts, also entwickelt wurde auch nichts, nur ein Untersuchungsausschuss am Ende.

Daniel Roßbach: Genau, und dieser Untersuchungsausschuss ist ein guter Punkt.

Daniel Roßbach: Ich hätte nämlich gesagt, dass es mir nicht gelungen war, dessen Abschlussbericht zu finden.

Daniel Roßbach: Und an der Stelle gab es dann noch ein Follow-up in den Kommentaren.

Daniel Roßbach: Gerade neulich hat nämlich jemand ähm

Daniel Roßbach: Genau das eben doch gefunden, diesen Untersuchungsbericht.

Daniel Roßbach: Danke in der Hinsicht an Sammy, der das in den Kommentaren geschrieben hat.

Daniel Roßbach: Und das werde ich mir auf jeden Fall nochmal genauer anschauen.

Daniel Roßbach: Und vielleicht ergeben sich dann ja noch Follow-up-Geschichten aus dieser ohnehin komplizierten Geschichte, wo wir ja auch längst nicht

Daniel Roßbach: nicht alles aufarbeiten konnten.

Daniel Roßbach: Du hast ja schon gesagt, dass es eine sehr vielschichtige und komplexe Angelegenheit ist.

Sebastian Fiebrig: Vielleicht macht man einfach mal eine eigene Podcast-Geschichte in zehn Folgen draus oder so.

Daniel Roßbach: Serial Staffel 5 Union-Affäre.

Sebastian Fiebrig: Genau.

Sebastian Fiebrig: Dazu ist wahrscheinlich nicht zu Crime genug, obwohl mit ein bisschen Crime konnte man da schon auch aufwarten.

Daniel Roßbach: Also diese Erpressungsgeschichte, die ich beim letzten Mal mal angedeutet habe, mit irgendwelchen zwielichtigen Gestalten, die ist auf jeden Fall genug Crime.

Sebastian Fiebrig: Auf jeden Fall, finde ich auch.

Sebastian Fiebrig: Gut, Daniel.

Sebastian Fiebrig: Dann

Sebastian Fiebrig: Das zu der Geschichte.

Sebastian Fiebrig: Dann bin ich ja heute dran, dir eine Geschichte zu erzählen.

Sebastian Fiebrig: Genau.

Sebastian Fiebrig: Und ich habe wirklich, wirklich witzige Geschichten im Köcher, habe aber gedacht, nee.

Sebastian Fiebrig: Ich mache das jetzt ein bisschen anders.

Sebastian Fiebrig: Also mir ist auch gerade nicht nach Lachen zumute, sondern ich wollte so eine Überblicksgeschichte mal machen.

Sebastian Fiebrig: Wir hatten ja mal.

Sebastian Fiebrig: Eine Episode gemacht, beziehungsweise du hattest eine gemacht, wie Union dem bundesdeutschen Fußball beigetreten ist.

Sebastian Fiebrig: Da ging es ja darum, wie halt der DDR-Fußball in den bundesrepublikanischen Fußball dann integriert wurde.

Sebastian Fiebrig: Und mit welchen Aufstiegsspielen und so weiter und so fort.

Sebastian Fiebrig: Für die erste, zweite Bundesliga, dann in die Regionalliga und so weiter.

Sebastian Fiebrig: Und ich hatte mal

Sebastian Fiebrig: Vor einer noch längeren Zeit ein bisschen erzählt, wie Fußball im Dritten Reich organisiert war.

Sebastian Fiebrig: Kannst du dich vielleicht noch daran erinnern?

Sebastian Fiebrig: Ja.

Sebastian Fiebrig: Gut.

Sebastian Fiebrig: Und jetzt habe ich gedacht, weil wir so viel natürlich auch immer, so ein bedeutender Teil der Union-Geschichte fand ja in der DDR statt, wir haben auch noch nie darüber gesprochen, wie denn Fußball in der DDR organisiert war.

Sebastian Fiebrig: Und ich habe gedacht, das könnten wir heute mal machen.

Daniel Roßbach: Das ist ein interessanter Punkt.

Daniel Roßbach: Gewisse Teilbereiche davon hatte ich auch schon mal als Themenideen im Kopf.

Daniel Roßbach: Von daher bin ich gespannt, auf welche Aspekte du da jetzt eingehst und auf welche vielleicht nicht so sehr.

Sebastian Fiebrig: Es wird eher ein Überblick werden, ja, das kann ich schon mal sagen.

Sebastian Fiebrig: Union wird da jetzt nicht die Hauptrolle spielen, sondern es geht wirklich darum, dass man so mit ein paar Begrifflichkeiten, wie ist da was passiert, welche Personen haben da ein bisschen was gemacht

Sebastian Fiebrig: und so ein bisschen zeitlicher Ablauf und dann ist auch gut, sodass man so ungefähr diese 40, 45 Jahre

Sebastian Fiebrig: Fußball in der sowjetischen Besatzungszone bzw.

Sebastian Fiebrig: dann DDR so ungefähr weiß, wie es gelaufen ist dort und was so die Besonderheiten der Organisation waren.

Sebastian Fiebrig: Darum geht es mir wirklich.

Sebastian Fiebrig: Weil, du hast schon recht, wir haben immer mal so Teilbereiche auch schon gestreift.

Sebastian Fiebrig: Und jetzt müssen wir ein bisschen mal so.

Sebastian Fiebrig: Das ist wie so ein Grundkurs, den man hätte vorher mal geben sollen.

Daniel Roßbach: Gut, bin gespannt.

Sebastian Fiebrig: Dann legen wir mal los.

Daniel Roßbach: Ich hole mein Heft raus, hole einen Stift und notiere mit.

Sebastian Fiebrig: Ja, mach das.

Sebastian Fiebrig: Nein, also

Sebastian Fiebrig: Was passierte erstmal 1945?

Sebastian Fiebrig: Ist ja klar, Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg.

Sebastian Fiebrig: Es gab vier alliierte Siegermächte.

Sebastian Fiebrig: Die sich Deutschland dann in Besatzungszonen aufgeteilt haben.

Sebastian Fiebrig: Und das ist ungefähr der Punkt, wo wir aufgehört hatten bei der Geschichte über Fußball im Dritten Reich.

Sebastian Fiebrig: Und was wichtig ist und das eint die vier alliierten Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Sebastian Fiebrig: Und das ist einer der wenigen Punkte, der die da noch eint, dass sie Sportvereine als Träger der nationalsozialistischen Idee ansehen und sie im Prinzip direkt nach Kriegsende komplett verbieten.

Sebastian Fiebrig: Sie durften dann halt als Sportgruppen auf sehr lokaler Ebene weitermachen, also weitermachen ist vielleicht auch ein bisschen übertrieben, durften da halt agieren.

Sebastian Fiebrig: Wir kennen ja zum Beispiel die

Sebastian Fiebrig: SG, also Sportgruppe Gesundbrunnen, das war Hertha BSC im Grunde, und der SC Union Oberschöneweide, firmierte als SG Oberschöneweide.

Daniel Roßbach: Genau, und das ist ja insofern auch folgerichtig, als natürlich Sportvereine auch Teil der Gleichschaltung im Naziregime waren.

Daniel Roßbach: Das hast du ja auch in der eben angesprochenen Folge schon erwähnt.

Sebastian Fiebrig: Genau, das ist der Punkt.

Sebastian Fiebrig: In der sowjetischen Besatzungszone lief das dann halt noch so ein bisschen anders ab.

Sebastian Fiebrig: Also das war halt so der Punkt, der halt alle irgendwie, also Union

Sebastian Fiebrig: War ja in Berlin.

Sebastian Fiebrig: Es war ja nicht offiziell die Sowjetische Besatzungszone, sondern Berlin war ja nochmal in vier Sektoren geteilt.

Sebastian Fiebrig: Das war da immer so ein bisschen besonders dann.

Sebastian Fiebrig: Aber für die sowjetische Besatzungszone lief das dann im Prinzip so ab, dass im Dezember

Sebastian Fiebrig: 1945, der Alliierte Kontrollrat, das sind alle vier alliierten Siegermächte, zum 1.

Sebastian Fiebrig: Januar 1946 die Auflösung aller vor der Kapitulation Deutschlands bestehenden sportlichen, militärischen und paramilitärischen Organisationen verfügte.

Sebastian Fiebrig: Und eben nur auf lokaler Ebene diese Sportgemeinschaften gegründet werden durften.

Sebastian Fiebrig: Ja, du merkst schon den Unterschied.

Sebastian Fiebrig: Dann waren es nur noch Sportgemeinschaften, nicht mehr Sportgruppen.

Sebastian Fiebrig: Und bin mir auch, das ist wirklich ein bisschen schwierig, wie das dann lief, aber bleiben wir jetzt mal bei Sportgemeinschaften, weil das ist dann halt auch der Begriff, der in der sowjetischen Besatzungszone für diese SGs benutzt wird.

Sebastian Fiebrig: Und für die sowjetische Besatzungszone bedeutete der Beschluss die Zerschlagung und Enteignung der bürgerlichen Vereine.

Sebastian Fiebrig: Das ist ganz wichtig.

Sebastian Fiebrig: Das ist nämlich schon der erste Unterschied zu den anderen drei Besatzungszonen.

Sebastian Fiebrig: Denn in den Westzonen konnten die Clubs sich bald neu gründen.

Sebastian Fiebrig: Und im Osten wurden die Sportgemeinschaften von kommunalen Behörden und der Freien Deutschen Jugend geregelt, beziehungsweise der Sportverkehr.

Sebastian Fiebrig: Und es war weiterhin im Prinzip dann erstmal nur

Sebastian Fiebrig: So ein Sportverkehr auf lokaler, regionaler Ebene.

Sebastian Fiebrig: Wir reden noch nicht von irgendwie so riesigen Meisterschaften und so weiter.

Sebastian Fiebrig: Und mit den Gewerkschaftsgründungen.

Sebastian Fiebrig: Ging der Sportbetrieb ähnlich wie in der Sowjetunion und das ist auch ein leicht roter Faden, der sich jetzt so ein bisschen durch die Anfangszeit der DDR durchzieht, auf die Gewerkschaften über.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, die Gewerkschaften haben im Prinzip den Sport organisiert.

Sebastian Fiebrig: Warum, fragst du dich jetzt natürlich?

Daniel Roßbach: Ja.

Sebastian Fiebrig: Es gab so eine ideologische Begründung dafür.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, sportliche Betätigung war immer nur noch dann möglich, wenn es irgendwie eine betriebliche Anbindung gab.

Sebastian Fiebrig: Und also das heißt, aus den Sportgemeinschaften wurden sukzessive, das war jetzt nicht so von einem Tag auf den anderen, mehr und mehr Betriebssportgemeinschaften.

Sebastian Fiebrig: Und es gibt einen Ausschnitt aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.

Sebastian Fiebrig: Juli 1950, der diese ideologische Begründung auch darlegt.

Sebastian Fiebrig: Da heißt es, unsere Sportfreunde in der Sowjetunion und den Volksdemokratien haben längst erkannt, dass der schaffende Mensch mit seiner Arbeitsstätte untrennbar verbunden ist.

Sebastian Fiebrig: Dass über die Tätigkeit an der Werkbank an der Maschine hinaus sein kulturelles Erleben hier in der Gemeinschaft gepflegt werden muss.

Sebastian Fiebrig: hier eine Heimstätte finden kann und wird.

Sebastian Fiebrig: Darum die Umstellung der gesamten Sportorganisation in diesen Ländern auf den Betriebssport auf Produktionsgrundlage.

Sebastian Fiebrig: Und Sport auf Produktionsgrundlage ist halt wirklich auch so Kampagnenmotto.

Sebastian Fiebrig: Der Vorteil war natürlich auch dadurch gegeben, dass jetzt hier so eine private Finanzierung des Sports auch nicht mehr notwendig war, denn das konnte über die Betriebe finanziert werden.

Sebastian Fiebrig: Man grenzte sich so auch vom Profisport im Westen ab, auch wenn es den meinetwegen in der Bundesrepublik so in dem Maße noch gar nicht gab, aber in Thailand schon halt, es gab ja dann die Vertragsfußballer beispielsweise ab 48.

Sebastian Fiebrig: Nee, ja, 50, 48, 49, 50 in dem Dreh.

Sebastian Fiebrig: Das hat man nur Sportlertum genannt in der DDR übrigens.

Sebastian Fiebrig: Und die in den Betriebssportgemeinschaften erfassten Werktätigen konnten so auch besser an die SED und ihre Organisation gebunden werden.

Sebastian Fiebrig: Das ist halt logisch.

Sebastian Fiebrig: Wenn man diesen Durchgriff hat, über

Sebastian Fiebrig: Volkseigene Betriebe, dann kann man das halt auch komplett machen.

Sebastian Fiebrig: So, und mit der Gründung der DDR, also mit Oktober 1949 ungefähr

Sebastian Fiebrig: Wurden die Sportgemeinschaften unter dem Kampagnenmotto Sport auf Produktionsgrundlage auf BSG

Sebastian Fiebrig: Und jetzt ist eine wichtige Frage, als es BSGs oder BSGen, Betriebssportgemeinschaften jedenfalls, umgestellt.

Sebastian Fiebrig: Ich glaube, BSGen ist der richtige Plural.

Sebastian Fiebrig: Das war allerdings

Sebastian Fiebrig: Habe ich ja schon gesagt, kein harter Schnitt, sondern fand graduell statt.

Sebastian Fiebrig: Und die Sportgemeinschaften gab es bis zum Ende der DDR weiter.

Sebastian Fiebrig: Allerdings nicht mehr im Spitzenfußball.

Sebastian Fiebrig: Ja, sondern sie gab es halt so irgendwo mal.

Sebastian Fiebrig: Waren aber eher die Ausnahme.

Sebastian Fiebrig: Vielleicht ist der bekannteste Vertreter in Berlin-Begriff als Sportgemeinschaft.

Sebastian Fiebrig: Dann sei es vielleicht.

Sebastian Fiebrig: Ja, SG Lichtenberg 47.

Daniel Roßbach: Ja, okay.

Daniel Roßbach: Das war eine deren, an die ich jetzt gedacht habe.

Sebastian Fiebrig: Genau, also die ist auf jeden Fall eine Sportgemeinschaft gewesen, war halt dann

Sebastian Fiebrig: Immer halt auch außerhalb dieser Betriebssportgemeinschaften und so weiter organisiert.

Sebastian Fiebrig: So.

Sebastian Fiebrig: Und jeder Erfolg so einer BSG wurde als Bekenntnis zur sozialistischen Gesellschaft dargestellt.

Sebastian Fiebrig: Ganz wichtig zum Beispiel die erste

Sebastian Fiebrig: Meisterschaft der DDR hat ZSG Horch Zwickau gewonnen gegen SG Dresden Friedrichstadt.

Sebastian Fiebrig: Glaube ich, ja, glaube ich, so war das nämlich.

Sebastian Fiebrig: Und zwar ZSG heißt Zentrale Sportgemeinschaft oder Zentrale Betriebssportgemeinschaft.

Sebastian Fiebrig: Und das war halt von den Autowerken in Zwickau.

Sebastian Fiebrig: Da ist halt von diesem letzten Spiel, die spielten tatsächlich am letzten Spieltag gegeneinander noch, das war jetzt nicht so eine Meisterschaft im Pokalmodus.

Sebastian Fiebrig: Und da ist viel davon die Rede, dass es halt auch manipuliert war, das Spiel.

Sebastian Fiebrig: Damals gab es noch keine Auswechslung.

Sebastian Fiebrig: Die haben sehr hart gegen die Dresdner gespielt, die gleich zu Beginn irgendwie Spieler verletzt vom Platz mussten.

Sebastian Fiebrig: Und dann gab es noch Hinausstellungen und so weiter und so fort, am Ende ein 5:1 für Zwickau.

Sebastian Fiebrig: Und das war auch das Ende von dieser SG Dresden-Friedrichstadt, die ja der Nachfolger de facto vom Dresdner SC an der

Sebastian Fiebrig: Bekanntesten Vereine aus Dresden und halt auch in den Kriegsmeisterschaften sehr erfolgreich.

Daniel Roßbach: Mit irgendwie Helmut schön.

Sebastian Fiebrig: Genau, unter anderem.

Sebastian Fiebrig: Die sind dann alle nach Berlin gegangen nach diesem Spiel, letzten Endes.

Sebastian Fiebrig: So, und im Umkehrschluss wurden die Sportgemeinschaften, die sich halt nicht bekannten, zu Feinden der demokratischen Sportbewegung erklärt, logischerweise.

Sebastian Fiebrig: Und um die Vereine straffer an das Regime zu binden, wurden Industriesport-Vereinigungen gegründet.

Sebastian Fiebrig: Sagt ihr das was?

Daniel Roßbach: Nee, der Begriff ist mir tatsächlich völlig neu.

Sebastian Fiebrig: Du wirst die Konsequenz dieser Industriesportvereinigung sehr gut kennen.

Sebastian Fiebrig: Also in diesen Industriesportvereinigungen haben sich die BSGen, bleiben wir mal bei diesem Plural, angeschlossen.

Sebastian Fiebrig: Und es gab am Ende 18 Industriesportvereinigungen und du wirst sie bis heute durch ihre sehr markanten Namen wie Chemie

Sebastian Fiebrig: Motor, Einheit, Rotation, Mechanik, Stahl, Turbine, Aktivist, Textil oder auch Lokomotive kennen.

Sebastian Fiebrig: Genau, daher nämlich diese Namen.

Sebastian Fiebrig: Jede Industriesportvereinigung hatte halt so einen Namen.

Sebastian Fiebrig: Und die hießen dann aber auch alle gleich.

Sebastian Fiebrig: Für den Breitensport war diese Entwicklung wirklich richtig gut.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, dass diese ganzen Vereine als Breitensportvereine

Sebastian Fiebrig: Mit auch Ressourcen versorgt waren.

Sebastian Fiebrig: Das passte ziemlich gut.

Sebastian Fiebrig: Für jetzt auf den Fußball betrachtet war das wahnsinnig öde.

Sebastian Fiebrig: Weil es immer die gleichen Namen gab.

Sebastian Fiebrig: Chemie, irgendwas, Mechanik, weiß ich nicht, Aktivist, schwarze Pumpe, was auch immer.

Sebastian Fiebrig: Die hießen alle gleich, bloß mit einem anderen Ortsnamen noch dran.

Sebastian Fiebrig: Ansonsten war es halt auch so, dass der Spitzensport dort keine richtige Rolle gefunden hat.

Sebastian Fiebrig: Ist aber logisch, ein bisschen, wenn man jetzt nochmal ganz kurz so sagt, okay, das ist halt dieses Amateursport-Ideal und wenn man sich dieses sowjetische Vorbild nimmt.

Sebastian Fiebrig: und sich anschaut, wie in der Sowjetunion am Anfang Sport betrachtet wurde.

Sebastian Fiebrig: Dann waren ja Wettkämpfe und internationale Vergleiche

Sebastian Fiebrig: Verpönt in der Sowjetunion.

Sebastian Fiebrig: Das war in der DDR dann nicht so, aber diese Organisation war nicht darauf ausgerichtet, dann erstmal Spitzensport im internationalen Vergleich hervorzubringen.

Sebastian Fiebrig: So, und was macht man denn, um dann um den Spitzensport zu fördern?

Sebastian Fiebrig: Man gründet nochmal neue Sportvereinigungen und in dem Fall nehme ich die Sportvereinigung der bewaffneten Organe.

Sebastian Fiebrig: Und die kennst du auch, Dynamo und Vorwärts, also Dynamo für quasi Innenministerium, das heißt Geheimdienst, glaube ich Zoll und Polizei.

Sebastian Fiebrig: Und vorwärts für die Armee bzw.

Sebastian Fiebrig: in der Frühzeit der DDR war es noch die KVP, die Kasernierte Volkspolizei.

Sebastian Fiebrig: So, und dorthin wurden dann die besonders guten Sportler bzw.

Sebastian Fiebrig: Spieler abgeworben und man kann auch sagen, gezwungen in manchen Fällen.

Sebastian Fiebrig: Oder in wie vielen auch immer.

Sebastian Fiebrig: Aber die beiden Varianten gab es dann halt.

Sebastian Fiebrig: Für den Fußball gibt es nochmal ein paar Besonderheiten, die ich jetzt nur ganz kurz erwähne.

Sebastian Fiebrig: Die kommen nachher nochmal speziell.

Sebastian Fiebrig: 1954-1955 kam es zur Bildung der Sportclubs, also bekannt zum Beispiel SC Motor Jena oder so.

Sebastian Fiebrig: Und 1965-66 zur Bildung der

Sebastian Fiebrig: FCs der Fußballclubs, weshalb so viele Clubs in Ostdeutschland mit 1966 das gleiche Gründungsjahr haben.

Sebastian Fiebrig: Das ist erstmal so ein bisschen die allgemeine Entwicklung in der Frühzeit der DDR.

Sebastian Fiebrig: Und jetzt kommen wir mal zu einer Sache, was eigentlich so besonders daran ist.

Sebastian Fiebrig: Der Fußball in der DDR hat einen absoluten Sonderweg eingenommen.

Sebastian Fiebrig: Und diese Bildung dieser Fußballclubs zementierte diesen Sonderweg des Fußballs in der DDR.

Sebastian Fiebrig: Der war nämlich nicht so zentral organisiert, auch wenn man sich das so vorstellt, wie alle anderen Sportsachen.

Sebastian Fiebrig: Also der normal, klar

Sebastian Fiebrig: Ist der gesamte Sport, die zentrale Sportorganisation der DDR ist der DTSB, der Deutsche Turn- und Sportbund.

Sebastian Fiebrig: Und der hatte, glaube ich, von Anfang bis zum Ende Manfred Ewald als Chef.

Sebastian Fiebrig: Kennt man vielleicht.

Sebastian Fiebrig: Und es gab, da habe ich jetzt gar nicht drauf, wann der gegründet wurde, der Deutsche Fußballverband, aber sehr spät, ich glaube Ende der 50er Jahre erst oder Anfang der 60er wurde der erst gegründet.

Sebastian Fiebrig: Jedenfalls weder der DTSB noch der Deutsche Fußballverband konnten den Vereinsfußball wirklich kontrollieren.

Sebastian Fiebrig: Und das ist ja überraschend.

Sebastian Fiebrig: Also, das denkt man sich ja gar nicht, wenn man so an

Sebastian Fiebrig: DDR und zentralistisch organisierten Staat denkt, oder?

Daniel Roßbach: Genau.

Sebastian Fiebrig: Ja.

Sebastian Fiebrig: Kannst du dir vorstellen, wer das denn kontrolliert hat?

Daniel Roßbach: Na, vermutlich dann eben diese Dachorganisationen, die für die einzelnen Überordnungen der Vereine, wenn man so will, verantwortlich waren.

Sebastian Fiebrig: Noch viel besser.

Sebastian Fiebrig: Es waren nämlich die SED-Chefs der Bezirke, also die ersten Sekretäre der SED-Bezirksleitung, die das halt gemacht haben.

Sebastian Fiebrig: Und der DTSB-Chef Manfred Ewald, der unter anderem aufgrund dessen, dass der Fußball sich ja nie komplett in seine Organisation reingefügt hatte.

Sebastian Fiebrig: Auch ein gespaltenes Verhältnis zum Fußball hatte.

Sebastian Fiebrig: Von ihm stammt folgendes Zitat.

Sebastian Fiebrig: Früher gab es in Deutschland Kleinstaaterei, und jeder kleine Fürst hielt sich ein Ballett.

Sebastian Fiebrig: Heute unterhalten sie Fußballmannschaften.

Sebastian Fiebrig: Fand ich eigentlich ganz witzig.

Daniel Roßbach: Ja, das ist insofern ein guter Punkt, dass das quasi so auf Bezirksebene ist, dass man bei verschiedenen Bezirken ja auch immer wieder hört, dass es halt

Daniel Roßbach: Eine große Hierarchisierung der einzelnen Vereine, Mannschaften innerhalb eines Bezirks gibt.

Daniel Roßbach: Also ich habe mich zum Beispiel noch nicht mal ein bisschen mehr mit der BSG-Aktivist Schwarze Pumpe beschäftigt.

Daniel Roßbach: Wo halt die dann irgendwie länger mal zweite Liga gespielt haben, aber wo immer unterschiedlich die Aussage war, mehr war gar nicht möglich, weil eben die BSG Energie Cottbus

Daniel Roßbach: in dem Bezirk halt der Verein war der gefördert wurde und deswegen war es quasi, auch wenn es sich zwischendurch sportlich mal angedeutet hätte, überhaupt nicht möglich, dass dann

Daniel Roßbach: der quasi nicht privilegierte Verein in so einem Bezirk dann wirklich erfolgreicher werden würde.

Sebastian Fiebrig: Gut, dass du das sagst hier, BSG-Aktivist Schwarze Pumpe.

Sebastian Fiebrig: Dann kann ich gleich mal kurz einen Hinweis geben.

Sebastian Fiebrig: Es gibt einen hervorragenden Podcast, der heißt Sportfrei über ostdeutschen Fußball.

Sebastian Fiebrig: Und der hat sich in seiner letzten Episode im Juli über die BSG, also mit der BSG-Aktivist Schwarze Pumpe beschäftigt.

Daniel Roßbach: Genau, und hat dazu mit dem Vereinskronisten sozusagen, also der hat eine Chronik geschrieben, Ronny Klein heißt er.

Daniel Roßbach: unterhalten und der kommt auch in einem Beitrag vor, den ich dann für die Leute zur Rundschau geschrieben habe, der demnächst erst erscheint, der ist gerade noch nicht, äh, noch nicht

Daniel Roßbach: Quasi veröffentlicht, aber erscheint demnächst, werden wir dann, sobald er online ist, auch noch verlinken hier.

Sebastian Fiebrig: Wunderbar, machen wir so.

Sebastian Fiebrig: Also, jeder, kommen wir zurück hier, jeder erste Sekretär wollte seine Betriebssportgemeinschaft bzw.

Sebastian Fiebrig: seinen Sportclub oder

Sebastian Fiebrig: Fußballclub stärken.

Sebastian Fiebrig: Und deshalb gab es irgendwann, und das war unglaublich selten.

Sebastian Fiebrig: Das muss man sich wirklich vorstellen.

Sebastian Fiebrig: Einen zentralen Beschluss mit DTSB und Deutschen Fußballverband, und zwar nämlich das Transferverbot.

Sebastian Fiebrig: Normalerweise kamen diese zentralen Beschlüsse nicht zustande, weil sich die einzelnen Bezirksleitungen geweigert haben.

Sebastian Fiebrig: Und dann konnte der DTSB einfach nicht über den DFV da irgendwas beschließen, weil die haben es ja sowieso nicht umgesetzt.

Sebastian Fiebrig: Aber jetzt haben sie dann tatsächlich ein Transferverbot in der Oberliga und in der Liga beschlossen.

Sebastian Fiebrig: Oder prinzipiell

Sebastian Fiebrig: Und das kam nur zustande, weil für diese Bezirks-SED-Sekretäre das im Prinzip ein Vehikel war, dass ihre eigenen Teams keine Leistungsträger verloren haben.

Sebastian Fiebrig: Weil man durfte ja nicht wechseln.

Sebastian Fiebrig: Es gab halt nicht irgendwie sowas wie: du hast einen Zweijahresvertrag, dann ist er vorbei und dann kannst du gehen, wohin du willst.

Sebastian Fiebrig: Sondern Spielerwechsel waren nur noch möglich, wenn das jeweilige Team aus der Oberliga abgestiegen ist.

Sebastian Fiebrig: Dann konnten nämlich Spieler, die quasi Perspektivkader oder Kader der Nationalmannschaft waren.

Sebastian Fiebrig: Zu anderen Vereinen wechseln, weil es hieß, das seid einer dieser zentralen Beschlüsse gewesen, dass diese Spieler immer in der Oberliga spielen müssen.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, sowas wie Jonas Hector spielt als Nationalspieler mal ein Jahr zweite Liga mit dem ersten FC Köln.

Sebastian Fiebrig: Das wäre damals nicht möglich gewesen, der hätte dann wechseln müssen.

Sebastian Fiebrig: Hatte noch ein anderes Problem, gab es auch bei den Spielerwechseln.

Sebastian Fiebrig: Nämlich kannst du dir vorstellen, du verlierst deine Leistungsträger dann halt nicht durch Transfers, aber irgendwann beenden die halt ihre Karriere.

Sebastian Fiebrig: Wie bekommst du neue Spieler?

Sebastian Fiebrig: Ja, gute Frage.

Sebastian Fiebrig: Das war super schwierig dann.

Sebastian Fiebrig: Es gab natürlich nichts ohne Ausnahmen.

Sebastian Fiebrig: Wenn Dynamo einen Spieler wollte, haben sie den auch sofort bekommen.

Sebastian Fiebrig: Das muss man natürlich sagen.

Sebastian Fiebrig: Also das ist immer der Punkt, den muss man dann halt im Hinterkopf behalten.

Sebastian Fiebrig: Aber wenn ein Spieler zu einem anderen Verein wechseln wollte, gab es ja öfter mal, dass Spieler meinetwegen von Rostock nach Jena wechseln wollten oder so.

Sebastian Fiebrig: Und dann konnte es sein, dass der Spieler halt einen Wechsel in einer ganz anderen, ich sag mal, nicht gewollten Art erlebte.

Sebastian Fiebrig: Denn dann war es möglich, das auf Betreiben dieser Bezirkssekretäre, die zur Armee eingezogen wurden,

Sebastian Fiebrig: Und mit Armee war dann plötzlich richtig Armee gemeint.

Sebastian Fiebrig: Normalerweise sind die zur Armee eingezogen worden und haben dann bei irgendeinem Armeesportverein gespielt.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, sie haben weiterhin fußballtypisch

Sebastian Fiebrig: Irgendwie trainiert und so weiter, mussten dann halt bei irgendeinem Vorwärts spielen.

Sebastian Fiebrig: Und blöd war halt, wenn man aber eingezogen wurde und dann anderthalb Jahre richtig Dienst schieben musste.

Sebastian Fiebrig: Und Dienst in der NVA war, naja, das kennt man ja, nicht so angenehm und vielleicht auch nicht besonders hilfreich, wenn man danach weiter Fußball spielen wollte.

Sebastian Fiebrig: Gut.

Sebastian Fiebrig: Warum machen die Bezirkssekretäre das?

Sebastian Fiebrig: Also da gibt es eine ganz komische

Sebastian Fiebrig: Aussage, ehrlich gesagt, da wurde offiziell häufig gesagt, die Menschen in der DDR würden besser und produktiver arbeiten, wenn der jeweilige Verein am Wochenende zuvor gespielt hatte.

Sebastian Fiebrig: Also gut gespielt hatte.

Sebastian Fiebrig: Ja, klingt komisch, ne?

Daniel Roßbach: Ja, also.

Sebastian Fiebrig: Gibt es aber so.

Sebastian Fiebrig: Diese Sprüche gibt es ja, ne?

Sebastian Fiebrig: Gibt es ja so mit Montagsautos, weil die Leute schlecht gelaunt in die Produktion kommen und so weiter und so fort.

Sebastian Fiebrig: Das sind halt so

Sebastian Fiebrig: Sachen, die sich so mündlich weiterverbreiten.

Sebastian Fiebrig: Klaus Ulrich, der war früher Sportchef des Neuen Deutschlands, sagte dazu:

Sebastian Fiebrig: Eines der beliebtesten Argumente für diese durch nichts zu begründende Einmischung in den Sport, die in krassen Fällen bis zum Mitreden bei der Aufstellung ging.

Sebastian Fiebrig: Also es geht immer noch um diese Bezirkssekretäre der SED.

Sebastian Fiebrig: Lautete, der Fußball ist von unübertroffener Massenwirksamkeit und deshalb politisch so wichtig, dass man sich selbst darum kümmern müsse.

Sebastian Fiebrig: Von den Resultaten wurde oft genug behauptet, hänge sogar die Planerfüllung mit ab.

Sebastian Fiebrig: Dieser Blödsinn wurde ernsthaft erörtert.

Sebastian Fiebrig: Ich fand das ehrlich gesagt ganz witzig.

Sebastian Fiebrig: Und zwar halt tatsächlich auch so, dass es halt es für

Sebastian Fiebrig: Manche Chefs von SED-Kreisleitung.

Sebastian Fiebrig: Unglaublich schwierig war, beim Bezirkssekretär einen Termin zu bekommen.

Sebastian Fiebrig: Aber wenn der sich mit einem Fußballer oder einem Trainer treffen wollte, ging es immer sofort.

Sebastian Fiebrig: Also der hatte für die Fußballerzeit, aber für seine wirkliche Organisation manchmal nicht so viel.

Sebastian Fiebrig: Nun gut

Sebastian Fiebrig: Aber das sind halt so Petitessen, aber es zeigt halt, dass es sich im Prinzip so ein sehr starke regionale

Sebastian Fiebrig: Ja, Zuspitzung und dort auf die jeweiligen Regionen bezogen entwickelt hat.

Sebastian Fiebrig: Und das ist absolut

Sebastian Fiebrig: Ein krasser Kontrast zu allem, was in der DDR sonst passiert war.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, man hat im Prinzip einen, nennen wir es ruhig, starken Fußballföderalismus in den Clubs.

Sebastian Fiebrig: Aber halt keinen Zentralismus wie sonst in der DDR.

Sebastian Fiebrig: Und Hanns Leske, auf dessen Forschung ich mich hier jetzt vor allem stütze bei diesem Text.

Sebastian Fiebrig: Der hatte wahnsinnig viele hervorragende Bücher im Fußball in der DDR veröffentlicht und ordnet die ganzen Mannschaften in der DDR, also die Spitzenmannschaften, sagen wir ruhig die ersten drei Ligen ungefähr.

Sebastian Fiebrig: In eine aus meiner Sicht sehr nachvollziehbare Hierarchie ein.

Sebastian Fiebrig: Und zwar sind das neun Kategorien.

Sebastian Fiebrig: Diese Hierarchie ist wirklich wichtig, das darf man nicht unterschätzen.

Sebastian Fiebrig: Weil je nachdem, wo man in dieser Hierarchie steht, hatte man als Verein besondere Rechte.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, Dynamo, wie gesagt, konnte sich halt überall bedienen.

Sebastian Fiebrig: Aber selbst wenn man halt zum Beispiel in dieser Hierarchie weiter oben war, hatte man meinetwegen die Möglichkeit, so und so viele Spieler aus Sportschulen pro Jahr zu akquirieren.

Sebastian Fiebrig: Und es war anderen halt nicht möglich.

Sebastian Fiebrig: Die hatten entweder weniger oder die regionale Zuordnung ließ weniger zu.

Sebastian Fiebrig: Das ist ja vielleicht auch eine Sache, die jetzt hier bei Aktivist Schwarze Pumpe dann zum Tragen kommt.

Sebastian Fiebrig: Da ging es ja auch darum, dass manche Vereine haben Spieler abgegeben aus dem eigenen Nachwuchs.

Sebastian Fiebrig: An diesen Sportverein, wo sich die Spitzenspieler treffen sollten, also wo die gesammelt sein sollten, wenn es jetzt meinetwegen bei Aktivist Schwarze Pumpe Energie Cottbus war, dann haben sie die Jugendspieler dorthin gegeben.

Sebastian Fiebrig: Dann sind die bei Cottbus was geworden oder nicht.

Sebastian Fiebrig: Was blöd war für Vereine wie Aktivist dann, war, dass diese Jugendspieler häufig

Sebastian Fiebrig: Wenn sie dann nicht gut genug für Cottbus waren, nicht wieder zurück zu Aktivist gegangen sind, sondern Cottbus hat die dann meinetwegen benutzt, um sie woanders unterzubringen und dafür was wieder einzutauschen.

Sebastian Fiebrig: Ja, und das war halt auch so Gang und Gäbe bei dieser Sache, weshalb diese ganzen regionalen Interessen immer größer waren und man hatte gar keinen Bock irgendwie dem jeweiligen Verein wie zentral vorgegeben.

Sebastian Fiebrig: Der für den Spitzenfußball in der Region vorgesehen war, die eigenen Spitzenspieler abzugeben.

Sebastian Fiebrig: Man wollte sich halt immer selber, und deswegen hat man dann halt gemauert und deswegen hat sich dieser Fußball

Sebastian Fiebrig: In der DDR sehr, sehr langsam entwickelt.

Sebastian Fiebrig: Aber da kommen wir später nochmal kurz zu.

Sebastian Fiebrig: Diese Hierarchie, die jetzt Hanns Leske so aufgestellt hat.

Sebastian Fiebrig: Die hat sich über die Zeit entwickelt und war im Prinzip mit den Gründungen der FCs, also der Fußballclubs 1966, fest zementiert.

Sebastian Fiebrig: Aber vorher gab es in den 50er Jahren, und das kennen wir ja auch aus Unionzeiten, eine wahnsinnige Reihe von Namensänderungen.

Sebastian Fiebrig: Ich zähle mal bloß für Union auf.

Sebastian Fiebrig: Die hießen ja

Sebastian Fiebrig: Vor der Club Gründung 1966 SG Oberschöneweide, dann SG Union Oberschöneweide, dann ab 51 BSG Motor Oberschöneweide, ab 55 Sportclub Motor Berlin.

Sebastian Fiebrig: Ab 57 TSC Oberschöneweide und ab 63 TSC Berlin.

Sebastian Fiebrig: Und das war nur ein Beispiel.

Sebastian Fiebrig: Das hat viele Vereine getroffen.

Sebastian Fiebrig: Aber so ab den 60er Jahren, Mitte der 60er Jahre ist es relativ konstant dann geblieben.

Sebastian Fiebrig: Uns kam auch zu Ortswechseln.

Sebastian Fiebrig: Das ist uns heute gänzlich unbekannt, aber der bekannteste Ortswechsel ist, glaube ich, der von Empor aus Lauter.

Sebastian Fiebrig: Ich glaube, das ist im Erzgebirge, bin ich mir jetzt gar nicht so sicher, aber sehr weit im Süden der DDR.

Sebastian Fiebrig: An die Ostsee, nach Rostock, als Empor Rostock, jetzt Hansa Rostock bekannt.

Daniel Roßbach: Oder der von Vorwärts Berlin zu Vorwärts Frankfurt.

Sebastian Fiebrig: Oder, genau, richtig.

Sebastian Fiebrig: Und was es auch noch gab, waren willkürliche, also in den Fünfziger Jahren in der DDR im Fußball, waren so willkürliche Eingliederungen von Clubs.

Sebastian Fiebrig: In Ligen.

Sebastian Fiebrig: Zum Beispiel durfte die SG Union Oberschöneweide und Einheit Pankow, die durften, obwohl sie 1951 sportlich abgestiegen sind,

Sebastian Fiebrig: Weiter in der Oberliga spielen, weil die Hauptstadt in der Liga vertreten sein sollte.

Sebastian Fiebrig: War dann halt so.

Sebastian Fiebrig: So und jetzt mal kurz zu diesen Kategorien von Hanns Leske.

Sebastian Fiebrig: Der hat in der ersten Kategorie Vereine der bewaffneten Organe, da ist Vorwärts Berlin bis 71.

Sebastian Fiebrig: Dabei und BFC Dynamo, also ab 71 eigentlich nur noch BFC Dynamo.

Sebastian Fiebrig: Es gibt eine zweite Kategorie für Vereine der bewaffneten Organe, SG Dynamo Dresden.

Sebastian Fiebrig: die einfach mit wahnsinnig viel weniger Ressourcen auskommen mussten.

Sebastian Fiebrig: Deswegen sind die nicht in der gleichen Kategorie.

Sebastian Fiebrig: Das ist einfach.

Sebastian Fiebrig: Gleicher Name, aber schon mal eine Stufe tiefer.

Sebastian Fiebrig: Dann gibt es in der dritten Kategorie Fußballclubs mit Politbüro-Mitgliedern bzw.

Sebastian Fiebrig: mit starken Trägerbetrieben oder beiden halt.

Sebastian Fiebrig: Da kann man sagen, klar, FC Carl Zeiss Jena.

Sebastian Fiebrig: Die Zeiss-Werke und mit den sehr starken Direktoren erst Ernst Gallerach und dann halt Professor Dr.

Sebastian Fiebrig: Dr.

Sebastian Fiebrig: Wolfgang Biermann, sehr bekannt, der im Prinzip auch alles getan hat, um diesen Club da so zu unterstützen.

Sebastian Fiebrig: 1. FC Magdeburg, die hatten das Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann, SKET kurz genannt, und Politbüromitglied Werner Eberlein als ersten Sekretär der Bezirksleitung, als Verbündete.

Sebastian Fiebrig: Hansa Rostock kennt man vielleicht, Politbüro Harry Tisch, also Mitglied des Politbüros, der war später dann FDGB.

Sebastian Fiebrig: Chef.

Sebastian Fiebrig: Dann hatten sie als Ressourcen das Fischkombinat und die VEB Deutsche Seereederei und der Hallesche FC Chemie.

Sebastian Fiebrig: Neben den Werken hatten die natürlich das Politbüro-Mitglied Werner Felfe.

Sebastian Fiebrig: Das sind halt einfach wahnsinnig starke administrative Ressourcen, wie man das so schön nennt, die diese Vereine haben und die sie auch aktivieren konnten.

Sebastian Fiebrig: Und in der vierten Kategorie finden wir Fußballclubs ohne Politbüromitglieder.

Sebastian Fiebrig: Da haben wir Lok Leipzig, FC Karl-Marx-Stadt, FC Rot-Weiß-Erfurt.

Sebastian Fiebrig: Und auch in dieser Kategorie sind eine Unterkategorie, die fünfte nochmal.

Sebastian Fiebrig: FC ohne Politbüro Mitglieder

Sebastian Fiebrig: Erste FC Union Berlin.

Sebastian Fiebrig: Warum ist der jetzt anders als Lok Leipzig, Karl Marx Stadt, Rot-Weiß-Erfurt?

Sebastian Fiebrig: Da kann man vielleicht ein bisschen ausholen, weil es ja sowieso hier auch ein Union-Podcast ist, können wir ein bisschen erzählen.

Sebastian Fiebrig: Der 1. FC Union Berlin hatte ja zunächst die Unterstützung durch den FDGB-Chef Herbert Warnecke und wohl wirklich nur durch

Sebastian Fiebrig: dessen Unterstützung auch den Status eines FC überhaupt erhalten.

Sebastian Fiebrig: Wir können mal festhalten, dass es sehr wahrscheinlich sonst nicht so gekommen wäre.

Sebastian Fiebrig: Und dann hätte sich die Geschichte von Union vielleicht auch schon verloren

Sebastian Fiebrig: Und insgesamt war er bei der Staatsmacht der unbeliebteste Club und ein Verein, den Erich Mieke mal höflich gesagt nicht mochte.

Sebastian Fiebrig: Und als Harry Tisch den FDGB übernahm, hatte Union im Prinzip kaum noch Unterstützung und lebte von dem, was der BFC Dynamo an Spielern übrig ließ.

Sebastian Fiebrig: Selbst die Unterstützung durch den ersten Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin, Karl Naumann, ging verloren, weil man sich in so krasser Rivalität zum BFC befand in den 70er, 80er Jahren.

Daniel Roßbach: Schon allein durch die räumliche Kommunikation.

Sebastian Fiebrig: Ja, aber sie war halt, also die Art und Weise dieser Rivalität war halt auch ein Punkt.

Sebastian Fiebrig: Und

Sebastian Fiebrig: Der soll zum Beispiel, also dieser Karl Naumann soll zu Heinz Werner, den kennen wir noch als Union-Trainer, damals gesagt haben: "Also ich verbrenne mir hier nicht an Union die Finger.

Sebastian Fiebrig: Um mich mit dem Minister, also Staatssicherheitsminister Erich Mieke, zu schlagen, daran denke ich gar nicht.

Sebastian Fiebrig: Ich habe wichtigere Dinge zu tun als das."

Sebastian Fiebrig: Das liegt noch so ein bisschen auf der Hand, das kann man ehrlich gesagt auch relativ gut nachvollziehen, diese opportunistische Haltung.

Sebastian Fiebrig: Und deswegen fällt Union in dieser Kategorie FCs ohne Politbüro-Mitglieder nochmal raus und eine eigene Kategorie.

Sebastian Fiebrig: Danach, und das ist dann halt schon so der Abstand.

Sebastian Fiebrig: In der sechsten Kategorie finden wir BSGen mit starken Trägerbetrieben, damit zum Beispiel Chemie Leipzig, Wismut Aue, Energie Cottbus, Sachsenring, Zwickau.

Sebastian Fiebrig: Und in der siebten Kategorie ganz normale BSGen, Stahl, Brandenburg, Stahl, Eisen-Höttenstadt und so weiter.

Sebastian Fiebrig: Und jetzt müssen wir uns nochmal das vergegenwärtigen.

Sebastian Fiebrig: Ursprünglich, das hatte ich ja vorhin, deswegen habe ich vorhin so weit ausgeholt mit 45 und dieser ganzen Sport am Produktionsort und so Ideologie.

Sebastian Fiebrig: Die BSG stellten ja ursprünglich schon das ideale und ideologische Ziel der Sportorganisation der DDR dar.

Sebastian Fiebrig: Aber

Sebastian Fiebrig: Die waren über diese ganzen Spitzensport-Beschlüsse, diese Sportclub-Gründung und dann Fußball-Club-Gründung, sowieso schon degradiert wurden

Sebastian Fiebrig: Und wurden dann durch den ersten Fußballbeschluss von 1970 endgültig im Leistungsfußball rausgeschmissen.

Sebastian Fiebrig: Die konnten teilweise durch ihre starken Trägerbetriebe höhere Fußballprämien zahlen als die FCs und haben sich gegenseitig lokale Talente abgejagt, das habe ich ja vorhin schon erwähnt, und jegliche Beschlüsse für Leistungskonzentrationen ignoriert.

Sebastian Fiebrig: Und das war ein Problem, weil der Fußball in der DDR halt zwar beliebt war, aber der war halt fast nicht wettbewerbsfähig international.

Sebastian Fiebrig: Und ein Beispiel, das ist jetzt mal nicht aus der Lausitz, Daniel, da kannst du trotzdem noch zuhören.

Sebastian Fiebrig: In Schwerin haben sich beispielsweise Dynamo Schwerin, Motorschwerin und die Industriesportgemeinschaft Schwerin.

Sebastian Fiebrig: Also ISG-Schwerin, über 20 Jahre gegenseitig Talente abspinstig gemacht.

Sebastian Fiebrig: Und irgendeine Art von Entwicklung dieses Fußballstandortes komplett verhindert.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, weil es am Ende relativ schwach ist.

Daniel Roßbach: Was?

Daniel Roßbach: So eine Stadt wie Schwerin gibt es doch locker her, oder?

Sebastian Fiebrig: Drei gleich schwache Vereine, meinst du?

Sebastian Fiebrig: Ja, genau.

Sebastian Fiebrig: Dieser regionale Egoismus, von dem ich auch vorhin erzählt habe, sollte halt zugunsten der Fußballclubs mit diesem zentralen Fußballbeschluss von 1970 beseitigt werden.

Sebastian Fiebrig: So, kurz mal diese Kernpunkte dieses Fußballbeschlusses.

Sebastian Fiebrig: Das war die Einführung von Rahmentrainingsplänen und die zentrale Weiterleitung von sportwissenschaftlichen Erkenntnissen aus anderen Sportarten.

Sebastian Fiebrig: Die Senkung des Gehaltsniveaus, das war ein wirkliches Problem.

Sebastian Fiebrig: Die Leute haben im Vergleich zum Rest der DDR richtig heftig gut verdient.

Sebastian Fiebrig: Einheitliche Lohn- und Gehaltszahlung entsprechend der beruflichen Qualifikation nach gesetzlichen Tarifen.

Sebastian Fiebrig: Das war ein Riesenthema.

Sebastian Fiebrig: Das war ein echtes Problem dann.

Sebastian Fiebrig: Nach diesem Fußballbeschluss.

Sebastian Fiebrig: Nur ein Beispiel: Du hast dann halt jemanden, der ist 25, gab es glaube ich bei Chemie Leipzig, einen Spieler, 25, der hat Medizin studiert, Arzt im Praktikum.

Sebastian Fiebrig: Der hatte dann halt aber nur das Gehalt bekommen von einem Arzt im Praktikum.

Sebastian Fiebrig: Das waren irgendwie 500, irgendwas und Mark.

Sebastian Fiebrig: Und ein 18-Jähriger, der ausgelernte Gebäudereiniger war, hatte doppelt so viel Geld bekommen als Fußballer.

Sebastian Fiebrig: In gleichen, in der gleichen Mannschaft.

Sebastian Fiebrig: Also, das war völlig abgekoppelt dann vom sportlichen Wert der Person

Sebastian Fiebrig: Das war auch ein Problem.

Sebastian Fiebrig: Es führte nämlich dann dazu, dass nach diesem Fußballbeschluss einige wirklich gute Oberliga-Spieler gesagt haben: naja, so lohnt sich ja für mich nicht.

Sebastian Fiebrig: Und die sind dann in die Bezirksliga gegangen, also in die damalige dritte Liga.

Sebastian Fiebrig: Als Spielertrainer, weil sie dann halt eine Entlohnung bekommen haben, die viel höher war.

Sebastian Fiebrig: Aber ist so ein Thema an sich.

Sebastian Fiebrig: Es gab noch das Verbot zusätzlicher finanzieller Stimulanz, also Prämien, würde ich sagen.

Sebastian Fiebrig: Die Herauslösung der Fußballclubs aus den Betrieben und die Oberaufsicht durch den Deutschen Turn- und Sportbund und DFV.

Sebastian Fiebrig: Also zumindest der Versuch, sag ich mal.

Sebastian Fiebrig: Konzentration des Fußball, äh des Spitzenfußballs in Schwerpunktclubs.

Sebastian Fiebrig: Schwerpunkt Club ist dann halt das, was wirklich die Leute von Aktivist Schwarze Pumpe dann gesagt haben.

Sebastian Fiebrig: Schwerpunkt Club war dann halt meinetwegen Energie Cottbus in dem Bezirk.

Sebastian Fiebrig: Und die sollten dann halt alle Ressourcen kriegen, also die Spieler und so.

Sebastian Fiebrig: Für diese ganze Umsetzung sollte es noch 7 Millionen Mark vom Finanzministerium geben.

Sebastian Fiebrig: Und Spielern mit Westverwandtschaft sollte die Spielgenehmigung für die Oberliga entzogen werden.

Sebastian Fiebrig: Das waren so die Kernpunkte des Beschlusses.

Sebastian Fiebrig: Und die haben den BSG-Fesseln gelegt.

Sebastian Fiebrig: Einerseits, das war halt für diese BSG, die ursprünglich ja das ideologische Ziel der Sportorganisation waren, war es im Prinzip so der Tod, muss man sagen, im Spitzenfußball in der DDR, ab dann

Sebastian Fiebrig: Und das lässt sich auch finden.

Sebastian Fiebrig: Ich glaube, die einzige BSG, die noch irgendwie mal einen Titel gewonnen hatte, glaube ich Pokalsieger, war Sachsenring Zwickau.

Sebastian Fiebrig: Ansonsten keine BSG mehr Meister geworden, keine BSG mehr Pokalsieger geworden.

Daniel Roßbach: Danach.

Sebastian Fiebrig: Und man muss auch sagen, dass der DDR-Fußball nach diesem Fußballbeschluss, nach diesem ersten Fußballbeschluss von 1970 in seine erfolgreichste Phase eingetreten ist.

Sebastian Fiebrig: Also die haben ja dann

Sebastian Fiebrig: Olympiadritte sind sie geworden, dann Olympiasieger, sie haben sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert, Magdeburg kam ins Europapokalfinale und hat es auch gewonnen und so weiter und so fort.

Sebastian Fiebrig: Also da gab es wirklich internationale Erfolge.

Sebastian Fiebrig: Noch ganz kurz, Hanns Leske hat noch zwei Kategorien.

Sebastian Fiebrig: Die achte Kategorie sind die zweiten Mannschaften der Clubs der ersten drei Kategorien.

Sebastian Fiebrig: Nochmal kurz für sinnbildlichen, das sind die bewaffneten Organe gewesen, also BFC Dynamo, Dynamo Dresden und FCs mit Politikbüro-Mitgliedern.

Sebastian Fiebrig: Deren zweite Mannschaften waren immer noch in der Hierarchie über normalen BSG und zweite Mannschaften, die zwischen Liga und Bezirksliga gepindelt sind.

Sebastian Fiebrig: Also, das ist schon tatsächlich auch wichtig.

Sebastian Fiebrig: So, wir kommen dann halt in so eine sehr erfolgreiche Phase des DDR-Fußballs und so weiter.

Sebastian Fiebrig: Und könnte eigentlich alles so laufen?

Sebastian Fiebrig: wenn der Fußball denn weiter auch so erfolgreich gewesen wäre.

Sebastian Fiebrig: War er aber nicht.

Sebastian Fiebrig: Und zwar 1982 sind, und das war ein echter Schock.

Sebastian Fiebrig: Alle DDR-Mannschaften in der ersten Europapokalrunde ausgeschieden.

Sebastian Fiebrig: Und das führte dann halt schon relativ kurz danach.

Sebastian Fiebrig: Für DDR-Verhältnisse war es rasend schnell, nämlich ein halbes Jahr später.

Sebastian Fiebrig: Zum zweiten Fußballbeschluss, der am 13.

Sebastian Fiebrig: April 1983 verabschiedet wurde.

Sebastian Fiebrig: Und jetzt kannst du mal überlegen, was hat der denn gemacht?

Sebastian Fiebrig: Was glaubst du denn?

Daniel Roßbach: Ich weiß es nicht.

Sebastian Fiebrig: Der hat gar nicht an der Oberliga angesetzt und auch nicht die Ungleichheit zwischen den FCs und den BSG beseitigt.

Daniel Roßbach: Das wäre jetzt auch überraschend gewesen.

Sebastian Fiebrig: Richtig, wäre vielleicht geboten gewesen, aber überraschend gemessen an dem, dass ja diese Bezirksfürsten ja so viel Macht hatten.

Sebastian Fiebrig: Nein, er sollte die Talentausbildung mehr in den Fokus nehmen und reformierte diese DDR-Liga, wird sie heute genannt, also Liga, damals einfach diese zweite Liga.

Sebastian Fiebrig: Und das waren die Beschlüsse waren 1983 dann halt Reduktion der Liga von 60 Teams in fünf Staffeln auf 36 Teams in zwei Staffeln.

Sebastian Fiebrig: Dann, also, das heißt, auch da diese ganze regionale Sache ein bisschen aufdrößeln, ein bisschen zentraler machen

Daniel Roßbach: Nachdem die Liga ja zwischendurch vorher auch schon nur zwei Staffeln gehabt hatte.

Sebastian Fiebrig: Genau.

Sebastian Fiebrig: Dann Eingliederung der Teams der Nachwuchsoberliga als zweite Mannschaften in die Bezirksligen mit Aufstiegsrecht in die Liga.

Sebastian Fiebrig: Deswegen sind diese zweiten Mannschaften von diesen ersten drei Kategorien auch überhaupt in dieser Hierarchie aufgefasst.

Sebastian Fiebrig: Die durften dann in die quasi zweite Liga aufsteigen.

Sebastian Fiebrig: Förderquoten für U21 Spieler in zweiten Mannschaften der Fußballclubs, Förderquoten für Spieler unter 23 in den zweiten Mannschaften der BSG.

Sebastian Fiebrig: Einführung einer Junioren-Oberliga, die vor den Oberligaspielen spielte.

Sebastian Fiebrig: Ich weiß nicht, du wirst dich nicht dran erinnern können, aber vielleicht hast du davon gehört.

Sebastian Fiebrig: Es gab dann immer ein Vorspiel.

Sebastian Fiebrig: Und dieses Vorspiel, wenn meinetwegen Jena gegen Wismut Aue gespielt hat, dann hat davor, und das war 15 Uhr meinetwegen Anpfiff oder 15.

Sebastian Fiebrig: 30 Uhr, was auch immer, dann war halt zwei Stunden vorher das Vorspiel.

Sebastian Fiebrig: Die Juniorenmannschaften von Wismut Aue und Carl Zeiss Jena gegeneinander.

Sebastian Fiebrig: Und Verpflichtung aller Ligamannschaften, also jede

Sebastian Fiebrig: Mannschaft, die in der zweiten Liga spielte oder jeder Verein, ein Club, wie auch immer, der in der zweiten Liga spielte, musste Nachwuchsteams in allen Altersklassen anbieten.

Sebastian Fiebrig: Das war vorher auch nicht der Fall.

Sebastian Fiebrig: Eigentlich vielleicht logisch, aber gab es halt vorher so nicht.

Sebastian Fiebrig: Ziel war natürlich, dass diese Liga so ein leistungsstarker Unterbau der Oberliga werden sollte und dort Fußballer für die Oberliga entwickelt werden sollte.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, es gab für Fußballer.

Sebastian Fiebrig: Dann die Möglichkeit, sich über die Liga oder über Oberliga-Kader für Plätze in der Oberliga zu qualifizieren, zu entwickeln.

Sebastian Fiebrig: Aber das Unternehmen ist komplett gescheitert, denn für die BSG war es jetzt so, dass sie nicht nur diesen Fußballclubs gegenüberstanden.

Sebastian Fiebrig: Die auch mal in die zweite Liga abstiegen, fällt uns vielleicht der 1. FC Union ein, dem das öfter mal passiert ist.

Sebastian Fiebrig: Sondern sie standen dann plötzlich auch den zweiten Mannschaften der FCs gegenüber.

Sebastian Fiebrig: Und damit wurde diese Liga auch immer unattraktiver.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, ist logisch.

Sebastian Fiebrig: Also, wenn wir zum Beispiel Bayern 2 in der dritten Liga jetzt sehen, aktuell

Sebastian Fiebrig: Die dürfen ja nicht in die zweite Liga aufsteigen, auch wenn das jetzt gerade mal gefordert wurde von den Bayern.

Sebastian Fiebrig: Aber das würde sofort diesen Wettbewerb unattraktiv machen.

Sebastian Fiebrig: Weil die haben zwar Ressourcen, die bringen aber diesem ganzen Wettbewerb nichts.

Sebastian Fiebrig: Das hat nur einen Vorteil für die jeweilige Mannschaft in diesem Wettbewerb, weil der Wettbewerb selber und alle anderen werden benachteiligt.

Sebastian Fiebrig: So, und 1989 wurde ein Teil dieses Beschlusses, nämlich der mit den zweiten Mannschaften in der Liga, wieder aufgehoben.

Sebastian Fiebrig: Aber richtige Erfolge hat es eigentlich bis zum Ende nicht gebracht.

Sebastian Fiebrig: Das muss man so sagen.

Sebastian Fiebrig: Und dann war ja auch schon plötzlich Wende und Wiedervereinigung auch des Fußballs.

Sebastian Fiebrig: Damit könnte ich theoretisch schließen, aber es fehlen ja noch so Punkte.

Sebastian Fiebrig: Kannst du dir vorstellen, welche fehlen?

Daniel Roßbach: Also es gibt noch eine ganze Reihe Fragen, die interessant sind, zum Beispiel

Daniel Roßbach: welche Beziehungen das genau war zwischen Union und der Gewerkschaft, aber ich weiß nicht, worauf du noch hinaus willst.

Sebastian Fiebrig: Nee, das nicht, das habe ich ja gesagt,

Sebastian Fiebrig: Könnte man einfach später mal in Episoden machen.

Sebastian Fiebrig: Ich wollte heute mal sehr allgemein bleiben.

Sebastian Fiebrig: Es gibt einfach zwei Sachen, die noch sehr besonders sind im DDR-Fußball.

Sebastian Fiebrig: Und das eine ist nämlich der Fußball unter Kontrolle der Staatssicherheit.

Sebastian Fiebrig: Das sollte man nicht vergessen, auch wenn man das gerne in vielen Medien dann so, also quasi in diesen Vereinschroniken hat man das ja häufig so, dass es dann da keine Rolle spielt.

Sebastian Fiebrig: Und Schiedsrichtermanipulation habe ich auch noch als Thema.

Sebastian Fiebrig: Fangen wir aber mit dem Fußball unter Kontrolle der Staatssicherheit an.

Sebastian Fiebrig: Das gab nämlich

Sebastian Fiebrig: Aus Angst vor Sportspionage und Abwerbung, also Republikflucht.

Sebastian Fiebrig: Damals hieß es noch Abwerbung.

Sebastian Fiebrig: Schon 1963 einen Befehl, den Erich Mirke unterzeichnet hatte, der die Überwachung von Sportlern, Funktionären Trainern, Journalisten und allen Stars, wie man heute sagt, eigentlich zum Ziel hatte.

Sebastian Fiebrig: Anlass waren die Olympischen Spiele 1964 in Innsbruck und Tokio.

Sebastian Fiebrig: Und 1971 gab es nochmal eine Dienstanweisung, die heißt 4-71.

Sebastian Fiebrig: die die flächendeckende Überwachung des Leistungssports beschlossen hatte.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, alle Spieler mit Reisen ins NSW, also nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet,

Sebastian Fiebrig: wurden erfasst und quasi automatisch zu Objekten operativer Maßnahmen.

Sebastian Fiebrig: Dafür gab es entweder operative Personenkontrollen oder es hieß zentrale operative Vorgänge.

Daniel Roßbach: Und die auch dazu führt, dass auch innerhalb der Vereine und Mannschaften auch zum Beispiel individuelle Mitarbeiter gibt.

Sebastian Fiebrig: Genau, kommen wir nämlich gleich zu, das ist ein sehr spannendes Thema.

Sebastian Fiebrig: Darin sollten Erkenntnisse gewonnen werden über diese Zielpersonen, zum Beispiel über die politische

Sebastian Fiebrig: Charakterliche und moralische Zuverlässigkeit, über die berufliche und sportliche Situation der einzelnen Person, über Eigentums- und Besitzverhältnisse.

Sebastian Fiebrig: Und natürlich Verwandtschaftsverhältnisse, damit waren natürlich gemeint nach West-Berlin und in die Bundesrepublik.

Sebastian Fiebrig: Und logischerweise Erfahrung mit.

Daniel Roßbach: Oder wahrscheinlich zu anderen subversiv tätigen.

Sebastian Fiebrig: Ja, aber vor allem ging es halt da tatsächlich um.

Sebastian Fiebrig: Und Erfahrung mit der Zielperson bei bisherigen Reisen ins

Sebastian Fiebrig: Nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet.

Sebastian Fiebrig: Und im Prinzip wurde damit halt ein komplettes Personenprofil von Sportlern gezeichnet, das, und das muss man sich auch so vorstellen, permanent ergänzt, bestätigt und aktualisiert wurde

Sebastian Fiebrig: Und Reisekader ins NSW wurden jährlich überprüft.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, wenn man zum Beispiel in einem Team war, was

Sebastian Fiebrig: regelmäßig im Europapokal unterwegs war, konnte man sich sicher sein, dass die eigene Person mindestens einmal im Jahr komplett überprüft wurde.

Sebastian Fiebrig: Ohne dass man das jetzt zu dem Zeitpunkt wusste, aber wir können das jetzt im Nachhinein so darstellen.

Sebastian Fiebrig: So, und aus der Struktur des Sports an sich, also so wie Sport auch organisiert ist

Sebastian Fiebrig: Es ist ja total logisch, dass diese Überwachung, und das hast du auch gerade schon erwähnt, nicht allein durch Mitarbeiter der Staatssicherheit erledigt werden konnte.

Sebastian Fiebrig: Der Geheimdienst benötigte eine wahnsinnige Menge an

Sebastian Fiebrig: Inoffiziellen Mitarbeitern und dafür wurden gezielt junge Talente mit Oberligaperspektive angesprochen oder junge Trainer.

Sebastian Fiebrig: Klar, weil die dann halt von Anfang an dann drin waren und die auch leichter zu bekommen waren.

Sebastian Fiebrig: Es gab verschiedene Motivationen, das ist ehrlich gesagt so für IMs zur Mitarbeit.

Sebastian Fiebrig: Das unterscheidet sich, glaube ich, aus meiner Perspektive.

Sebastian Fiebrig: nicht sehr von anderen IMs, also es ist jetzt nicht sehr sportspezifisch.

Sebastian Fiebrig: Es gab Leute, die haben es aus Überzeugung gemacht, also eine positive Haltung zur DDR gehabt.

Sebastian Fiebrig: Es gab Leute, die hatten materiale Interessen und Vorteilnahme, in Klammern, Geld und Karriere.

Sebastian Fiebrig: Und es gab natürlich auch Anwerbung durch Druck.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, es gab Leute mit individuellen Schwachpunkten, die halt vom Ministerium ausgenutzt wurden, wenn Leute Affären hatten und so weiter und so fort.

Sebastian Fiebrig: Das denen klargemacht, dass man das ja auch öffentlich machen kann und so.

Sebastian Fiebrig: Und besonders wichtig waren Personen, die mit vielen anderen in Kontakt kamen, wie beispielsweise Masseure zum Beispiel.

Sebastian Fiebrig: Und ich habe mal ein Beispiel, wie das aussah bei einem Team, das halt regelmäßig Europapokal spielte, nämlich Dynamo Dresden.

Sebastian Fiebrig: Da spitzelten für das Ministerium für Staatssicherheit.

Sebastian Fiebrig: Folgende Person.

Sebastian Fiebrig: Einfach mal sich so auf der Zug ergehen lassen, wie viele das eigentlich so sind.

Sebastian Fiebrig: Trainer Eduard Geyer, Teamarzt Wolfgang Klein

Sebastian Fiebrig: Physio Horst Friedl und dann bei Spielern Döschner, Gansera, Gütschow, Gumts, Ile, Jakubowski, Ulf Kirsten, Lachmann, Lieberam, Lippmann, Matthias Müller, Peterson

Sebastian Fiebrig: Frank Richter, Rüster, Hartmut Schade, Schmidt, Schmuck, Trautmann, Weber.

Sebastian Fiebrig: Das waren jetzt natürlich nicht alles Top-Spitzel und die haben garantiert nicht die gleiche Qualität gebracht.

Sebastian Fiebrig: Ganz im Gegenteil, aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit hat die Qualität sehr geschwankt zwischen den einzelnen Personen.

Sebastian Fiebrig: Aber was man da erkennen kann, ist, dass da immer ein richtiges Netz gespannt wurde.

Sebastian Fiebrig: Und es konnte auch vorkommen, dass ein Spieler bei einer Auslandsreise auf einen anderen Spieler, meinetwegen Zimmerkameraden, angesetzt wurde und den beobachten sollte und gleichzeitig diese Zielperson die gleichen Instruktionen bekommen hatte.

Sebastian Fiebrig: So dass beide sich gegenseitig ohne das zu wissen observiert haben.

Daniel Roßbach: Genau, das hatte ich gerade schon sagen wollen.

Daniel Roßbach: Wenn man sich so eine lange Liste vorstellt, dann ist es ja fast unvermeidlich, dass es zu solchen Konstellationen kommt.

Daniel Roßbach: Also und auch Absicht natürlich.

Sebastian Fiebrig: Es ist absolute Absicht.

Sebastian Fiebrig: Was man sagen kann, ist, dass im Schnitt ein Drittel eines Oberligakaders IM des Ministeriums für Staatssicherheit war.

Sebastian Fiebrig: Das waren bei regelmäßigen Europapokalteilnehmern mehr Leute und bei anderen unbedeutenderen Clubs weniger.

Sebastian Fiebrig: Im Schnitt aber ungefähr ein Drittel.

Sebastian Fiebrig: Du musst aber davon ausgehen, dass die Kadertiefe nicht so groß war wie heute.

Sebastian Fiebrig: Die Mannschaften bestanden aus so 16 bis 18 Spielern insgesamt.

Sebastian Fiebrig: Also ungefähr 6 Spitzel pro

Sebastian Fiebrig: Team im Schnitt.

Sebastian Fiebrig: Aber nur zu dem Netz.

Sebastian Fiebrig: Also, das ist tatsächlich sehr besonders.

Sebastian Fiebrig: Ich will da jetzt auch nicht weiter drauf eingehen.

Sebastian Fiebrig: Da könnte man sehr viele Geschichten erzählen: Jörg Berger, Lutz Eigendorf und so weiter, wie halt mit Leuten auch umgegangen wurde, die Republikfluchten dann begangen hatten.

Sebastian Fiebrig: wie auch mit Spitzeln umgegangen wurden, ich glaube dieser Weber von Dresden war jemand, der dann selber eine Republikflucht

Sebastian Fiebrig: Er war selber Spitzel, war Mitwisser oder wollte auch fliehen, kam tatsächlich dann für zwölf Monate in Knast und hat danach weiter als IM gearbeitet übrigens.

Sebastian Fiebrig: Also es gibt da sehr krasse individuelle Geschichten, aber das ist heute mal nicht Thema.

Sebastian Fiebrig: Und dann haben wir noch das Thema Schiedsrichter Manipulation.

Sebastian Fiebrig: Und das ist halt ein.

Sebastian Fiebrig: Sehr großes, weil es halt noch ein emotionales Thema ist.

Sebastian Fiebrig: Wir haben ja die Zeit, in der der BFC Dynamo zehn Jahre hintereinander die DDR-Meisterschaft gewonnen hatte.

Sebastian Fiebrig: Und da werden ja immer zweifelhafte Entscheidungen mit erwähnt dazu.

Sebastian Fiebrig: Und was man sagen kann bei den Schiedsrichtern, ist, dass über Jahre die Clubs Vorwärts Berlin und dann halt BFC Dynamo bevorteilt wurden.

Sebastian Fiebrig: Aber es lässt sich bis heute kein einziger schriftlicher Befehl dafür finden.

Sebastian Fiebrig: Also es wird eher vermutet, dass das von den Schiedsrichern gemacht wurde, um sich bei Dynamo.

Sebastian Fiebrig: Einzuschmeichern und Vorteile zu erlangen, also zum Beispiel auch Reisekader zu werden, was ja ein Privileg war, das man erringen konnte.

Sebastian Fiebrig: Und natürlich, was auch ein Punkt war, der manchmal vergessen wird, die Schiedsrichterkommission, die diese Ansetzung der Schiedsrichter vorgenommen hat, wurde vom BFC dominiert.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, so wurden halt bei BFC-Spielen oder beziehungsweise bei wichtigen BFC-Spielen entweder sehr schwache oder sehr junge Schiedsrichter eingesetzt.

Sebastian Fiebrig: Das heißt, die eher

Sebastian Fiebrig: Dann halt aus Opportunismus bestimmte Entscheidungen getroffen waren.

Sebastian Fiebrig: Und Fälle von Manipulation, ohne jetzt auf die einzelnen Fälle direkt einzugehen, waren zum Beispiel, dass der Schiedsrichter

Sebastian Fiebrig: die Abseitsfahne des Linienrichters ignoriert hat, einfach weiterspielen lassen hat.

Daniel Roßbach: Was jetzt nicht so eine clevere Manipulation ist, weil das ja

Daniel Roßbach: wie wir alle auf dem auf dem Spielfeld und rundherum sehen.

Sebastian Fiebrig: Einerseits, aber wer soll es denn aufschreiben?

Daniel Roßbach: Ja.

Daniel Roßbach: Genau.

Sebastian Fiebrig: Gelbe Karten an wichtige Spieler von kommenden BFC-Gegnern wurden verteilt, sodass diese dann für dieses Spiel gesperrt waren.

Sebastian Fiebrig: Und natürlich der Klassiker falsche Foulbewertung.

Sebastian Fiebrig: Das heißt ignorieren von Fouls des BFC und Pfeifen von zweifelhaften Freistößen und Elfmetern für den BFC.

Sebastian Fiebrig: Und Anfang, Mitte der 80er wurde Karl Zimmermann Generalsekretär des Deutschen Fußballverbands und gab eine interne Auswertung der Saison 84-85 in Auftrag.

Sebastian Fiebrig: Die dann halt zur Folge hatte, dass halt diese Manipulationen nochmal tatsächlich zusammengetragen wurden.

Sebastian Fiebrig: Und es gab halt vorher schon in lokalen Medien, auch lokalen Bezirksmedien.

Sebastian Fiebrig: Immer wieder so, naja, für DDR-Verhältnis würde man schon sagen, scharfe Kritik an Schiedsrichtern.

Sebastian Fiebrig: Aber aus der Gesicht muss man es schon genau lesen, aber dass da halt Kritik an der Art, wie die Schiedsrichter da agiert haben.

Sebastian Fiebrig: Geäußert wurde.

Sebastian Fiebrig: Und es kam halt, dieser Karl-Zimmermann, der kam halt aus Leipzig, der war jetzt nicht so aus diesem BFC-Stall.

Sebastian Fiebrig: Und danach wurden Schiedsrichter tatsächlich gesperrt, aber halt

Sebastian Fiebrig: Eher milde, zum Beispiel Prokop, der bekannteste.

Sebastian Fiebrig: Erhielt zwei Spiele Sperre für internationale Partien.

Sebastian Fiebrig: Und andere Schiedsrichter wurden nicht mehr für Spiele vom BFC gegen Lok oder Dresden eingesetzt.

Sebastian Fiebrig: Und diese Schiedsrichterkommission wurde dann anders zusammengesetzt, sodass der BFC da nicht mehr die Mehrheit drin hatte.

Sebastian Fiebrig: Und trotzdem gab es dann halt den sogenannten Schandelfmeter.

Sebastian Fiebrig: Das war 1986 als der Jenaer Schiedsrichter Bernd Stumpf.

Sebastian Fiebrig: Erst ewig hat nachspielen lassen, dann in der 95.

Sebastian Fiebrig: Minute noch einen Strafstoß für den BFC zum Ausgleich gegen Lok Leipzig ermöglichte.

Sebastian Fiebrig: Und da gab es dann tatsächlich eine härtere Bestrafung, aber inklusive Einmischung von Egon Krenz und Erich Honecker, die wohl die Nase voll hatten von diesen Schiedsrichter-Diskussionen um den BFC.

Sebastian Fiebrig: Und dieser Bernd Stumpf wurde dann auf Dauer gesperrt als Schiedsrichter.

Daniel Roßbach: Ja, zumindest Honecker hat sich ja nicht so furchtbar für Fußball interessiert, sondern hat eher an so einem Punkt, wo es vielleicht dann insgesamt auch unangenehm wurde.

Sebastian Fiebrig: Ja.

Sebastian Fiebrig: Unangenehm wurde es dann, wenn diese ganzen Leute der SED-Bezirksleitung dann irgendwann auch mal bei dem aufgetreten sind.

Sebastian Fiebrig: Also, das ist halt tatsächlich, muss man immer so denken, von der Warte her.

Sebastian Fiebrig: Und es gab aber natürlich bei den Schiedsrichern ebenso IMs wie bei den Spielern, was aber nochmal besonders ist

Sebastian Fiebrig: Es gab halt auch direkte, also offizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, die Schiedsrichter waren.

Sebastian Fiebrig: Und der bekannteste ist hier wieder Adolf Prokop.

Sebastian Fiebrig: Der war sogar OiBE, Offizier im besonderen Einsatz.

Sebastian Fiebrig: Das waren hauptamtliche MFS-Mitarbeiter, die im Alltag komplett andere Jobs gemacht haben und dann halt als zweite

Sebastian Fiebrig: Identität noch im Auftrag des Ministeriums für Standssicherheit gearbeitet haben.

Sebastian Fiebrig: Und den bekanntesten Offizier im besonderen Einsatz dürftest du wahrscheinlich kennen, das war Alexander Schalk-Golodkowski.

Sebastian Fiebrig: Ja, das jetzt mal so ganz grob, wie der Fußball in der DDR organisiert war, welche Besonderheiten es da zu beachten gab.

Sebastian Fiebrig: Einerseits mit dieser absoluten Bevorzugung der Dynamo-Vereine bzw.

Sebastian Fiebrig: des BFC Dynamo mit der versuchten Zentralisierung, die nie funktioniert hat.

Sebastian Fiebrig: Der Degradierung der BSG, obwohl die eigentlich das ideologische Endziel einer sozialistischen Gesellschaft ist.

Sebastian Fiebrig: Waren bzw.

Sebastian Fiebrig: der Sportstruktur einer sozialistischen Gesellschaft mit einem Ministerium für Staatssicherheit, das ein komplettes Überwachungsnetz über den Spitzenfußball geworfen hatte.

Sebastian Fiebrig: Und mit Schiedsrichtern, die wahrscheinlich aus vorauseilenden Gehorsam im Sinne

Sebastian Fiebrig: Des Ministeriums für Staatsicherheit bzw.

Sebastian Fiebrig: des Clubs der bewaffneten Organe, des BFC Dynamo, agierten.

Sebastian Fiebrig: Ich hoffe, du hast jetzt so einen Überblick, aber hast du Fragen, Daniel?

Daniel Roßbach: Ganz an vielen Stellen kann man sich fragen, wie sich das jetzt

Daniel Roßbach: auf einzelne Vereine ausgewirkt hat, auf deren Möglichkeiten, auf einzelne Karriere, äh, also Karrieren, wenn man so will, Spielerlaufbahnen, in welchen

Daniel Roßbach: welchen Entwicklungen, welche dieser Kräfte, die du jetzt beschrieben hast, zum Tragen kommen gekommen sind.

Daniel Roßbach: Aber das sind, wie gesagt, alles Sachen, die man dann

Daniel Roßbach: Ganz gut an den einzelnen Stellen aufgreifen kann und dann immer wieder schön auf diese Episode hier verweisen kann, wo das einmal alles im Überblick erklärt wird.

Sebastian Fiebrig: Oder aber Daniel?

Sebastian Fiebrig: Ich habe ja Hanns Leske erwähnt, wie gesagt, Autor, wirklich hervorragender Autor, muss ich sagen, von ganz vielen Büchern über den DDR-Fußball.

Sebastian Fiebrig: Diese ganze Episode, jetzt dieser Abriss beruht auf einer geschichtlichen Darstellung des DDR-Fußballs, die er gemacht hat, so über 40, 50 Seiten.

Sebastian Fiebrig: Und ich habe mich wirklich nur auf das konzentriert, das ging dann auch immer ins Anekdotische manchmal noch so rein.

Sebastian Fiebrig: Das habe ich jetzt mal ein bisschen rausgelassen, weil sich sehr viel zum Beispiel gleich mit diesem

Sebastian Fiebrig: Sündenfall zu Anfang diesem Spiel zwischen ZSG Horch Zwickau und SG Dresden Friedrichstadt beschäftigt hatte.

Sebastian Fiebrig: Darauf beruht im Prinzip diese Episode, auf diese Darstellung.

Sebastian Fiebrig: Und

Sebastian Fiebrig: Die ist wiederum der Start des Buchs Enzyklopädie des DDR-Fußballs, die er herausgegeben hatte.

Sebastian Fiebrig: Und da werden einerseits Spieler

Sebastian Fiebrig: Aus der DDR immer charakterisiert, beziehungsweise also alle Daten zu ihnen sind zu finden.

Sebastian Fiebrig: Aber es ist nicht einfach wie so ein

Sebastian Fiebrig: Lexikon, wo dann halt so ein paar Daten drinstehen, die du bei Transfermarkt sonst heutzutage vielleicht finden würdest, sondern du findest da drin halt alle Vereinsporträts von der Oberliga bis zur Bezirksklasse.

Sebastian Fiebrig: Und nicht nur sportliche Daten, sondern halt auch persönliche Anekdoten, Karrierehörpunkte, politische Verwicklung, intensive IM-Tätigkeiten fürs MfS oder gesellschaftliche Benachteiligung.

Sebastian Fiebrig: Und das ist tatsächlich wahnsinnig interessant.

Sebastian Fiebrig: Sich in diesem Buch zu verlieren.

Sebastian Fiebrig: Das ist wie so ein Wikipedia-Beitrag, wo du von einem zum anderen irgendwie hüpfst.

Sebastian Fiebrig: Und dieses Buch kann ich wirklich, wirklich empfehlen, das uns insgesamt.

Sebastian Fiebrig: Warte mal kurz.

Sebastian Fiebrig: Ein sehr dicker Wälzer, fast 600 Seiten.

Sebastian Fiebrig: Lohnt sich, kann ich mal sagen.

Sebastian Fiebrig: Da kann man dann halt

Sebastian Fiebrig: Genau das, was du sagst, also da rausfinden und wenn man dann halt über einzelne Leute was finden möchte oder lesen möchte, ist das ein ganz guter Startpunkt, ehrlich gesagt.

Daniel Roßbach: Okay, ja, das klingt sehr spannend.

Sebastian Fiebrig: Gut, dann würde ich sagen, gehen wir zum

Sebastian Fiebrig: Feedback Blog.

Sebastian Fiebrig: Wenn ihr uns Feedback hinterlassen wollt zu dieser Episode, dann könnt ihr das auf sehr vielfältige Art und Weise tun.

Sebastian Fiebrig: Ihr könnt natürlich Kommentare

Sebastian Fiebrig: Hinterlassen auf unserer Website, die heißt und minus niemals-vergessen-podcast.

Sebastian Fiebrig: de.

Sebastian Fiebrig: Ihr könnt uns E-Mail schreiben an info.

Sebastian Fiebrig: und minus niemals-vergessen-podcast.

Sebastian Fiebrig: de oder ihr könnt uns auch auf Twitter schreiben.

Sebastian Fiebrig: Da sind wir Daniel, du hast

Sebastian Fiebrig: Da unterstrich Rosbach.

Sebastian Fiebrig: Genau.

Sebastian Fiebrig: Und ich bin saumselig auf Twitter.

Sebastian Fiebrig: Und ihr könnt uns direkte E-Mails schreiben, wenn ihr vielleicht so Kommentare zu Episoden habt oder Hinweise zu kommenden Episoden, was ihr vielleicht

Sebastian Fiebrig: In Zukunft mal hören wollt oder wo ihr denkt, da könnte man noch mehr machen, dann schreibt uns entweder auf Twitter eine direkte Nachricht, sodass die andere Person das hier nicht sieht, oder nochmal eine E-Mail Daniel oder Sebastian und minus

Sebastian Fiebrig: niemals minus vergessen-podcast.

Sebastian Fiebrig: de Habe ich was vergessen, Daniel?

Daniel Roßbach: Ich glaube nicht.

Daniel Roßbach: Außer dass wir uns immer noch nicht im Stadion sehen können und da für Live-Feedback zur Verfügung stehen.

Daniel Roßbach: Aber

Sebastian Fiebrig: Aber ihr könnt noch in Podcast-Verzeichnissen eurer Wahl, meinetwegen Apple-Podcast oder panoptikum.

Sebastian Fiebrig: io.

Sebastian Fiebrig: Bewertungen hinterlassen.

Sebastian Fiebrig: Ihr könnt uns bei Spotify abonnieren, ihr könnt uns überall abonnieren mit dem Podcast-Player eurer Wahl.

Sebastian Fiebrig: Und sagt es doch euren Freunden und Bekannten, die ebenfalls Union mögen.

Sebastian Fiebrig: Auch

Sebastian Fiebrig: Dann freuen wir uns über mehr Hörer.

Daniel Roßbach: Genau.

Daniel Roßbach: Und auch dann vielleicht auch über mehr Hinweise, mehr Kommentare, mehr Feedback.

Daniel Roßbach: Das, wie wir ja schon am Anfang der Folge erwähnt haben, ist immer bereichernd und interessant.

Sebastian Fiebrig: Genau, das ist ja hier nicht die endgültige Wahrheit, die wir hier veröffentlichen, sondern das sind ja so.

Daniel Roßbach: Also schon, aber.

Sebastian Fiebrig: Naja, also schön wär's, aber

Sebastian Fiebrig: Wir kennen ja, das haben wir ja öfter thematisiert, die Begrenzung auch von Geschichte und auch vor allem von Quellenlagen, und deswegen sind wir über ganz viele Hinweise immer sehr dankbar.

Sebastian Fiebrig: Die es dann gibt und die vielleicht eine andere Bewertung von bestimmten Ereignissen zulassen.

Daniel Roßbach: Genau.

Sebastian Fiebrig: Gut, dann würde ich sagen, Daniel, freue ich mich sehr drauf, in drei Wochen, wenn du mir eine neue Geschichte aus der Geschichte des ersten FC Union Berlin erzählst.

Daniel Roßbach: Genau, ich bin auch schon gespannt, was ich mir aussuchen werde.

Daniel Roßbach: Es steht noch nicht fest.

Sebastian Fiebrig: Okay, bis dahin.

Daniel Roßbach: Tschüss.

Daniel Roßbach: Tschüss.