#34 – Der erste Rauswurf von Günter "Jimmy" Hoge
Shownotes
Quellen:
- “Immer weiter, ganz nach vorn”, Matthias Koch, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2013
- Vorwärts: Armee-Fußball im DDR-Sozialismus (Aufstieg und Fall des ASK/FC Vorwärts Leipzig/Berlin/Frankfurt, Hanns Leske, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2009
- “Mentzel: Bei Union-Sieg breche ich zusammen”, BZ vom 10. Februar 2013
- “Unser Mitarbeiter Lothar Meyer stellt den neuen Meister vor”, Berliner Zeitung vom 21. November 1960
- “Gute erste Halbzeit sicherte 4:2-Sieg”, Neues Deutschland vom 10. August 1961
- “DDR-Elf unterlag mit 1:3 Toren”, Neues Deutschland vom 23. Oktober 1961
- “Stürmt jetzt für Dynamo”, Berliner Zeitung vom 3. Januar 1962
- “Spielerische Linie gab Ausschlag”, Berliner Zeitung vom 3. Mai 1964
- “Unsere dritte Oberliga-Elf”, Berliner Zeitung vom 6. Juni 1966
- „Ich habe geheult wie ein Schlosshund“, Berliner Zeitung vom 11. Oktober 2015
Skript
Danke
Die Musik wurde von David erstellt und die Logos von Steffi entworfen. Der Podcast beruht auf dem Konzept des famosen Geschichts-Podcasts Geschichten aus der Geschichte von Daniel Meßner und Richard Hemmer. Danke für alles!
Transkript anzeigen
Intro: Um den Fußballpokal der Hauptstadt standen sich im Poststadion die Mannschaften von Oberschöneweide, dem Pokalverteidiger und Charlottenburg gegenüber.
Intro: Der Bäckermeister aus Niederschöneweide Theo Zobel ruft auf einmal Eisern Union.
Intro: Eisern Union.
Intro: Eine Bankbürgschaft aus Unions Lizenzunterlagen hatte sich als gefälscht herausgestellt.
Intro: Union ist gerettet.
Intro: Unions ruft alle Berliner Fußballfans dazu auf, sich am Räumen des Stadions
Intro: von Schnee und Eis zu beteiligen.
Intro: Ein Jahr lang haben die Union Berlin Fans an ihrem geliebten Stadion an der alten Försterei gebaut.
Intro: Und jetzt ist die siebte Minute angebrochen und es gibt eine schöne Geste für die Nummer 7.
Intro: Doch die Unioner selbst werden gut beraten
Intro: sein, auch in der Stunde der Euphorie niemals zu vergessen, was war, um so zu bleiben, wie sie sind.
Sebastian Fiebrig: Herzlich willkommen zum und niemals vergessen, unserem kleinen, aber feinen Geschichtspodcast über den ersten FC Union Berlin, in dem Daniel, hallo
Daniel Roßbach: Hallo Sebastian.
Sebastian Fiebrig: Und ich euch alle drei Wochen, wenn wir es schaffen, eine Geschichte aus der Geschichte des 1. FC Union Berlin erzählen.
Sebastian Fiebrig: Und der Clou an der ganzen Sache ist, dass die Person, die die Geschichte erzählt bekommt, keine Ahnung hat, worum es geht.
Sebastian Fiebrig: Und dieses Mal, nee, das letzte Mal habe ich eine Geschichte erzählt und ich werde auch diesmal eine Geschichte erzählen, aber das letzte Mal habe ich eine Geschichte erzählt.
Sebastian Fiebrig: Daniel, und kannst du dich noch erinnern, worum es ging?
Daniel Roßbach: Ja, du hast unserem Vorbildpodcast, der mittlerweile übrigens Geschichten aus der Geschichte heißt, alle Ehre erwiesen und hast eine
Daniel Roßbach: eine Art kleine Geschichte des DDR-Fußballs in seiner Besonderheit erzählt, wie die Strukturen da so waren, wie die zusammenhingen und welche Position Union in diesem ganzen Gefüge eingenommen hat, welche Prioritätsstufe quasi Union da hatte.
Daniel Roßbach: Und was für Abhängigkeiten und was für Bezüge es da so gab.
Sebastian Fiebrig: Ja, das war quasi so eine Überblicksfolge, also gar nicht so ein konkreter Anlass, irgendwie eine bestimmte Geschichte, sondern wenn ihr irgendwen mal erzählen müsst.
Sebastian Fiebrig: Na ja, Fußball in der DDR, das war schon immer auch ein bisschen anders.
Sebastian Fiebrig: Der war nicht immer gleich.
Sebastian Fiebrig: Dann könnt ihr die Geschichte euch mal kurz anhören.
Sebastian Fiebrig: Aber ihr könnt auch gleich sagen, naja, die haben auch mitten in der Saison Regeln verändert die ganze Zeit.
Sebastian Fiebrig: Also es war schon ein bisschen schräg.
Sebastian Fiebrig: Also, nun gut.
Sebastian Fiebrig: Aber dieses Mal.
Sebastian Fiebrig: Keine Überblicksgeschichte, sondern eine eher persönliche Geschichte, Daniel.
Sebastian Fiebrig: Wir gehen aber nochmal auch ein bisschen in die Zeit zurück und zwar in Zeit so rund um den Mauerbau.
Sebastian Fiebrig: Frühe 60er Jahre, späte 50er, in der Zeit befinden wir uns.
Sebastian Fiebrig: Die DDR ist ungefähr etwas mehr als 10 Jahre alt.
Sebastian Fiebrig: Und die Geschichte heißt Jimmy Hoges erster Rauswurf.
Sebastian Fiebrig: Die Geschichte von Jimmy Hoges Rauswurf bei Union, die kennen wir ja, die haben wir, glaube ich, schon ein paar Mal erwähnt oder erzählt, glaube ich.
Sebastian Fiebrig: Und es war 1970, als er für sechs Jahre für die Oberliga, zwei Jahre für die zweitklassige Liga und ein Jahr für die Bezirksliga gesperrt war und quasi damit Berufsverbot bekommen hatte.
Sebastian Fiebrig: Da war er 30 Jahre alt.
Sebastian Fiebrig: Da kannst du dich ungefähr dran erinnern?
Daniel Roßbach: Ja.
Sebastian Fiebrig: Okay.
Sebastian Fiebrig: Aber ich ganz kurz für die Leute, die nicht so gut Bescheid wissen wie du, ein nochmal ein paar O-Töne dazu, was da war.
Sebastian Fiebrig: Und zwar sagte Jimmy Hoge dazu.
Sebastian Fiebrig: Mein ehemaliger Trainer Werner Schwenzfeier, mein damaliger Mitspieler Günter Klausch und ich haben am 17.
Sebastian Fiebrig: Juni 1970 in Ahrenshoop
Sebastian Fiebrig: In einer Gaststelle des WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien im Fernsehen gesehen.
Sebastian Fiebrig: Und ich soll das Deutschlandlied gesungen haben.
Sebastian Fiebrig: Zeugin war eine am Tresen stehende Tochter eines ehemaligen Schiedsrichters.
Sebastian Fiebrig: So, das war seine Version, was da passiert ist.
Sebastian Fiebrig: Er bestreitet, also er hat bis zum Ende bestritten, dass er dieses Deutschlandlied überhaupt gesungen hat.
Sebastian Fiebrig: Er hat auch gesagt, er wüsste bis, also 2015 hat er gesagt.
Sebastian Fiebrig: Dass er bis dahin immer noch nicht den Text kennt von der gesamtdeutschen Nationalhymne.
Sebastian Fiebrig: Aber Günter Mielis kennen wir ja als Ehrenvorsitzenden des 1. FC Union Berlin, damals auch Vereinsvorsitzender, sagte darüber
Sebastian Fiebrig: Die Sache hatte eine große Tragik.
Sebastian Fiebrig: Jimmy ist denunziert worden, als er mit seinem Ex-Trainer Werner Schwenzfeier und mit Spieler Günter Klausch in Ahrenshoop im Urlaub in der Öffentlichkeit vielleicht ein paar Bier zu viel getrunken hatte.
Sebastian Fiebrig: Einen Ausschluss vom Leistungssport konnten wir nicht mehr verhindern.
Sebastian Fiebrig: Bei Günter Hoge hatte es in der Vergangenheit ja schon ähnliche Vorfälle gegeben.
Sebastian Fiebrig: Und damit bezieht er sich nicht nur auf die Sperre von Oktober 1968 bis Ende Mai 1969, weil er unter Alkoholkonsum angeblich Mitspieler beleidigt haben soll.
Sebastian Fiebrig: Eine andere Version sagt, dass er betrunken im Auto gefahren ist, obwohl er noch gar keinen Führerschein hatte.
Sebastian Fiebrig: Sondern auch auf einen Vorfall, der sehr viel länger zurückliegt, nämlich sein Rauswurf beim ASK Vorwärts Berlin im Dezember 1961.
Sebastian Fiebrig: Und das ist die Geschichte heute, nämlich
Sebastian Fiebrig: Denn Jimmy Hoge war ja nicht immer Unioner.
Sebastian Fiebrig: Der ist ja 1940 geboren worden und spielte in den Jugendmannschaften von Lichtenberg 47.
Sebastian Fiebrig: Und wechselte mit 17/18 zum Armeesportclub Vorwärts Berlin.
Sebastian Fiebrig: Wurde dort 59 Juniorenmeister und am 27.
Sebastian Fiebrig: März 1960
Sebastian Fiebrig: Er ist Oberligaspieler geworden, gab sein Debüt beim 3:1-Sieg bei Einheit Dresden.
Sebastian Fiebrig: Und kam dann in dieser Saison 1960 sechsmal zum Einsatz.
Sebastian Fiebrig: Das ist jetzt nicht super viel, aber andererseits bei 26 Spieltagen ist das ja schon ein bisschen was
Sebastian Fiebrig: Und er konnte sich sofort Meister nennen, weil Vorwärts an dem Jahr DDR-Meister geworden ist oder wie das da hieß, Deutscher Meister.
Sebastian Fiebrig: Und zwar mit neun Punkten vor Dynamo Berlin.
Sebastian Fiebrig: Und da war er so 19.
Sebastian Fiebrig: Sein Mitspieler Lothar, Spitzname Lulu, Meier, charakterisierte
Sebastian Fiebrig: seine Mitspieler alle in der Berliner Zeitung, als es so ein naja, ich sag mal so eine Jubelseite gab, mit der Gratulation zur Meisterschaft und so weiter und durfte da jeden Spieler vorstellen.
Sebastian Fiebrig: Und zu Günter Hoge stand da.
Sebastian Fiebrig: Günter Hoge in Klammern 19.
Sebastian Fiebrig: Unteroffizier hat ausgesprochenes Stürmerblut in den Adern.
Sebastian Fiebrig: Wenn Jimmy spielt, fehlen nie Vater Hoge und Günters sympathische Fußballbraut Carla.
Sebastian Fiebrig: Günter schließt bald die Lehrzeit als Maschinenschlosser ab.
Sebastian Fiebrig: Seine Steckenpferde, Billard und Tennis.
Sebastian Fiebrig: Äh, Tischtennis, Entschuldigung, Tennis.
Sebastian Fiebrig: So, das war die Charakterisierung.
Sebastian Fiebrig: Und da fällt natürlich schon auf, klar, wenn man beim ASK, also beim Armee-Sportclub, war, hat man natürlich.
Sebastian Fiebrig: .
Sebastian Fiebrig: auch einen Dienstgrad gehabt, weil man war ja quasi Mitglied der Armee.
Sebastian Fiebrig: .
Sebastian Fiebrig: Die haben auch alle, das ist vielleicht so weit, ich will jetzt gar nicht die Geschichte von Armeesportvereinen komplett so erzählen, aber
Sebastian Fiebrig: Die haben alle tatsächlich auch die Grundausbildung machen müssen, waren dann aber vom Armee-Dienst quasi befreit, weil sie Sport gemacht haben.
Sebastian Fiebrig: Also es war jetzt.
Sebastian Fiebrig: Ich sage mal, vielleicht nicht das Schlimmste, was einem so passieren konnte in der Armeezeit beim ASK zu landen.
Daniel Roßbach: Ja, also, beziehungsweise ist es ja nicht so, dass man zufällig bei der Armee war und dann
Daniel Roßbach: Zu wenig zum ASK kommen, sondern eher andersrum, dass man schon Fußballer war und dann Genau, und der ASK hatte, wir hatten ja in der letzten Sendung, du hast ja vorhin erzählt.
Sebastian Fiebrig: ging es ja um die Besonderheiten des DDR-Fußballs und der ASK, also die Armee-Sport-Vereine bzw.
Sebastian Fiebrig: der Armee Sport Club, hatte genauso wie die SG Dynamo.
Sebastian Fiebrig: Oder SC Dynamo, ja, das hieß ja mal anders.
Sebastian Fiebrig: Später dann auch BFC Dynamo.
Sebastian Fiebrig: Ja, ein Vorteil gegenüber allen anderen Betriebssportgemeinschaften und FCs und SCs, je nachdem, in welcher Zeit das gerade war.
Sebastian Fiebrig: Denn die konnten sich ja landesweit einfach bedienen.
Sebastian Fiebrig: Während die anderen ja regional sich nur bedienen konnten bei den Nachwuchsspielern.
Sebastian Fiebrig: Insofern hast du recht, die haben sich schon auch dann über die Zeit die besten Spieler genommen.
Sebastian Fiebrig: Übrigens, den Spitznamen Jimmy hat Günter Hoge aus dieser Zeit bekommen.
Sebastian Fiebrig: Dazu hat er selber mal gesagt, den habe ich beim ASK vorwärts verpasst bekommen.
Sebastian Fiebrig: Ich war der Einzige im Armeesportverein mit längeren Haaren.
Sebastian Fiebrig: Ich konnte mich lange Zeit vor dem Friseur drücken, bis mich eines Tages Major Knöfler zusammenpfiff und sagte: Genosse Hoge, auch für Sie gilt militärischer Kurzhaarschnitt.
Sebastian Fiebrig: Dann musste ich, wohl oder übel.
Sebastian Fiebrig: Meine Mannschaftskameraden haben schon auf mich gewartet und meinten, jetzt siehst du aus wie ein Jimmy.
Daniel Roßbach: Ich habe den Schritt gerade noch nicht ganz verstanden von der Frisur zu dem Namen, aber okay.
Sebastian Fiebrig: Weiß ich nicht, wahrscheinlich so, wie man heute sagen würde, Otto plus, vielleicht war das damals gebräuchlich.
Sebastian Fiebrig: Keine Ahnung.
Sebastian Fiebrig: Also kann ich dir auch nicht sagen, aber ich kann nur sagen, dass Major Kurt Knöfler damals der ASK-Mannschaftsleiter war.
Sebastian Fiebrig: Und auf diesen ganzen Mannschaftsfotos ist er auch der Einzige, der immer in Militäruniform da stand, während die anderen halt in Trainingsanzügen.
Sebastian Fiebrig: da auf den Fotos zu sehen waren.
Sebastian Fiebrig: Kurz, wir haben die Saison 1960 abgeschlossen und bewegen uns jetzt auf das Jahr 1961 zu.
Sebastian Fiebrig: Und das ist ja ein besonderes Jahr, weil vielleicht weißt du es, aber 1961 gab es in der DDR Meisterschaftsspiele, aber keinen Meister.
Sebastian Fiebrig: Du hast eine Ahnung warum.
Sebastian Fiebrig: Ja, also Grund ist kurios, aber wenn man halt so ein bisschen zurückdenkt, wie die DDR versucht hat, in den 50er Jahren alles wie die Sowjetunion zu machen, dann ist das irgendwie auch klar.
Sebastian Fiebrig: Und zwar in dieser Spielzeit gab es nämlich nicht nur die Hin- und Rückrunde in der Oberliga, sondern auch noch eine dritte Runde, die fand nämlich auf neutralem Platz statt.
Sebastian Fiebrig: Weil man vom Kalenderjahr-Rhythmus, den man 1955 eingeführt hatte, wie in der Sowjetunion, wieder auf den, wir kennen ihn, Rhythmus einer Saison Herbst/Frühjahr gegangen ist.
Sebastian Fiebrig: Und dann musste man halt anderthalb Jahre spielen.
Sebastian Fiebrig: Um da wieder mitzumachen.
Daniel Roßbach: In der DDR gibt es doch nicht genauso viel Winter wie in Russland.
Sebastian Fiebrig: Ja, genau.
Sebastian Fiebrig: Also vor allem gibt es halt auch nicht so einen langen Sommer.
Sebastian Fiebrig: Also das kontinentale Klima ist halt so anders, also kurzer Frühling, kurzer Herbst, viel Sommer, viel Winter.
Sebastian Fiebrig: Ist nicht so in der DDR.
Sebastian Fiebrig: Genau.
Sebastian Fiebrig: Das war so der eine Punkt.
Sebastian Fiebrig: Und der zweite war ja auch noch, dass das mit dem Europapokalrhythmus überhaupt nicht zusammenpasste.
Sebastian Fiebrig: Während die Sowjetunion ja sich sehr lange internationellen Wettbewerben entzogen hat, war das für die DDR durchaus interessant.
Sebastian Fiebrig: Und dann haben die ja quasi in ihrer, ich sag mal, spielfreien Zeit Europapokal spielen müssen, wenn sie mal eine Runde weitergekommen sind.
Daniel Roßbach: Man kennt das von irgendwelchen finnischen Vereinen, die dann direkt aus dem Polarwinter in die Europapokalrunde einsteigen müssen.
Sebastian Fiebrig: Genau, das war das und deswegen wurde diese Entscheidung 1960 zurückgenommen.
Sebastian Fiebrig: Und wenn du jetzt natürlich denkst.
Sebastian Fiebrig: Ja, dann haben sie eine Hinrunde gespielt, dann haben sie eine Rückrunde gespielt und dann haben sie eine Runde auf neutralen Plätzen gespielt.
Sebastian Fiebrig: Nee, so war es auch nicht.
Sebastian Fiebrig: Das ist ja alles, also der Fußball war wirklich sehr kurios da in den ersten Jahren in der DDR.
Sebastian Fiebrig: Sie haben es natürlich diese neutralen Runden einfach so eingestreut immer mal.
Sebastian Fiebrig: Und es war dann auf irgendwelchen in Kleinstädten oder Dörfern, hätte ich beinahe gesagt, wo sie gespielt haben, damit dort auch mal Oberligaspiele zu sehen sind.
Daniel Roßbach: Ja, also warum überhaupt eine neutrale Runde habe ich jetzt noch nicht so ganz unterschiedlich.
Sebastian Fiebrig: Weil sie anderthalb Jahre spielen wollten.
Daniel Roßbach: Ja, ich meine, der naheliegende Schritt wäre eigentlich gewesen, dass man einfach eine Saison
Daniel Roßbach: Normal zu einspielen und dann eine Kurzsaison mit nur einer Halbserie machen.
Sebastian Fiebrig: Ja, das hatten sie, als sie das eingeführt hatten, gemacht.
Sebastian Fiebrig: Das war überhaupt nicht spannend und dann haben sie lieber das verlängert.
Sebastian Fiebrig: Also, sie hatten diese Erfahrung, die du jetzt gesagt hast, schon einmal gemacht.
Sebastian Fiebrig: Und deswegen haben sie das so gemacht, dass sie statt 26 Spielen dann 39 Spiele hatten in einer Saison.
Sebastian Fiebrig: Und da kann man jetzt schon, wenn ich vorhin gesagt habe, der Rauswurf von Jimmy Hoge 1961, kannst du jetzt schon wissen, dass Jimmy Hoge das Ende dieser Saison nicht mehr miterlebt hat.
Sebastian Fiebrig: Aber er ist halt vom Jugendspieler, der reingeworfen wurde in der ersten Saison, zu einer Stammkraft geworden, kam auf 24 Spiele, schießt sechs Tore oder also eine wichtige Kraft in der Mannschaft.
Sebastian Fiebrig: Und erlebte dann auch gleich quasi in seiner zweiten Oberligasaison die Berufung zur DDR-Nationalmannschaft, spielte gegen Marokko und Ungarn die ersten zwei Länderspiele.
Sebastian Fiebrig: Und war halt zuerst auch noch bei so einem Lehrgang dabei, wie das ja so schön heißt bei Nationalmannschaften, damals auch.
Sebastian Fiebrig: Und hat ein Testspiel zum Beispiel in Babelsberg gegen Ferencvaros aus Budapest gespielt im August 61, das mit 4:2 gewonnen wurde.
Sebastian Fiebrig: Und über diesen Einsatz schrieb das Neue Deutschland am 10.
Sebastian Fiebrig: August.
Sebastian Fiebrig: Hoge vom ASK vorwärts, gewitzt spielend, schien uns besser zu sein als Roland Ducke.
Sebastian Fiebrig: Ihm fehlt es lediglich an Erfahrung.
Sebastian Fiebrig: Er wird unter der Anleitung von Karoly Sos seinen Weg machen.
Sebastian Fiebrig: Karoly Sos ist der Nationalmannschaftstrainer damals.
Daniel Roßbach: Und Roland Ducke, der nicht ganz berühmte Ducke-Brüder.
Sebastian Fiebrig: Ja, aber nicht minder legendär.
Sebastian Fiebrig: Aber ja.
Daniel Roßbach: Das überlasse ich jetzt dem Jena-Experten.
Sebastian Fiebrig: Das ist schon, also muss ich sagen, und vielleicht ein
Sebastian Fiebrig: Günter Hoge und Peter Ducke so ein bisschen die, dass sie so über die Stränge geschlagen haben in ihrer Karriere, des Öfteren.
Sebastian Fiebrig: Deswegen sind sie halt beide auch quasi ein bisschen unvollendet geblieben.
Sebastian Fiebrig: So, jedenfalls war dort eine Position frei in der Nationalmannschaft, gab keine Stammkraft auf der Position auf rechtsaußen.
Sebastian Fiebrig: Das wurde auch klar, als die DDR gegen Polen 1:3 verloren hatte.
Sebastian Fiebrig: Da spielte Hoge nicht mit.
Sebastian Fiebrig: Aber das Neue Deutschland schrieb dann halt, auf der Rechtsaußenposition gibt es eigentlich gar keine Nummer 1.
Sebastian Fiebrig: Hoge wäre bei fleißiger Arbeit an sich selbst vielleicht der Mann.
Sebastian Fiebrig: So, und das ist eigentlich so die Gesamtsituation.
Sebastian Fiebrig: Das heißt, wir haben Jimmy Hoge, der etabliert sich in einer absoluten Spitzenmannschaft im DDR-Fußball.
Sebastian Fiebrig: Wird zur Nationalmannschaft berufen, eigentlich blendende Karriere voraus.
Sebastian Fiebrig: Also das wird aber nichts, weil zum Ende des Jahres geht es um Beförderung beim ASK.
Sebastian Fiebrig: Und Jimmy Hoge wird nicht berücksichtigt.
Sebastian Fiebrig: Und das, obwohl er, ja, zweifellos, habe ich ja gesagt, auch Leistungsträger in dieser Mannschaft war.
Sebastian Fiebrig: Und da gibt es eine Zeitschrift, die hieß, also so eine Beilage davon, Libero.
Sebastian Fiebrig: Und die hatte eine Beilage, die hieß Spezial.
Sebastian Fiebrig: Und 1995 wird dort der Vorgang von
Sebastian Fiebrig: 1961 wie folgt zitiert: Die SED-Fürsten im Armeerock fanden ihn nicht sozialistisch genug und beförderten ihn nicht, sodass er als einer der besten Spieler weiter das niedrigste Spielergehalt bezog, da nach dem Dienstgrad entlohnt wurde.
Sebastian Fiebrig: Ich weiß nicht, ganz ehrlich, ob er das niedrigste Spielergehalt hatte, was da jetzt so steht, weil er war schließlich Unteroffizier.
Sebastian Fiebrig: Das ist schon kein Mannschaftsdienstgrad mehr.
Sebastian Fiebrig: Es ist jetzt auch nicht super hoch, aber es ist halt jetzt nicht irgendwie Soldat oder Gefreiter oder sowas.
Sebastian Fiebrig: Also insofern kann sein, dass alle da Unteroffiziere waren schon mindestens, dann wird es vielleicht das Niedrigste gewesen sein, aber das war jetzt schon nicht nichts, um es mal so zu sagen.
Daniel Roßbach: Mit Collinas Erben gesprochen.
Sebastian Fiebrig: Ja.
Sebastian Fiebrig: Dass die Bezahlung in der DDR nicht zwangsläufig mit dem fußballerischen Wert von Spielern übereinstimmt, das hatten wir in der letzten Sendung auch schon mal erwähnt, als es darum ging, dass halt
Sebastian Fiebrig: ausgelernte Handwerker mehr verdient haben als irgendwie Leute, die heute noch studiert haben oder so.
Sebastian Fiebrig: Und so weiter.
Sebastian Fiebrig: Oder angehende Ärzte waren.
Sebastian Fiebrig: Aber das ist ja nicht die einzige Besonderheit.
Sebastian Fiebrig: Jedenfalls sollen despektierliche Bemerkungen von Jimmy Hoge zu dieser Nichtbeförderung dazu geführt haben, dass er aus der Nationalen Volksarmee ausgeschlossen und vom Armeesportklub wegdelegiert wurde.
Sebastian Fiebrig: Und um es wirklich wie eine Bestrafung wirken zu lassen, immer nur daran denken, dass hier ein absoluter Spitzenverein der DDR-Oberliga, der gerade erster Platz war und halt auch im Jahr 1962 wieder Meister wird.
Sebastian Fiebrig: Der wird nicht zu einem anderen Oberliga-Club geschickt, auch nicht zu einem Club in der zweitklassigen DDR-Liga.
Sebastian Fiebrig: Er wird tatsächlich in die dritte Liga zu Motor Köpenick geschickt.
Sebastian Fiebrig: Und die letzte Meldung über ihn, also über Jimmy Hoge als Spieler vom Armeesport Club vorwärts, lesen wir dann am 3.
Sebastian Fiebrig: Januar 1962 in der Berliner Zeitung in einer wirklich sehr kurzen Nachricht.
Sebastian Fiebrig: wo es eigentlich um was ganz anderes geht, aber die waren damals so, dass sie dann halt immer noch so ein, zwei Sätze zu einer Nachricht im Artikel drin hatten, also gar nicht in so einer Nachrichtenspalte oder so.
Sebastian Fiebrig: Und da stand dann wertvolle Verstärkung für den Angriff, erhielt die zweite DDR-Liga-Mannschaft, also dritte Liga, Motor Köpenick.
Sebastian Fiebrig: Der sich nach beendeter Dienstzeit in den Reihen der Nationalen Volksarmee, Günther Hoge, vom ASK, vorwärts anschloss.
Sebastian Fiebrig: Also das ist jetzt so an.
Daniel Roßbach: Es klingt, als wäre sich das so ausgesucht hätte.
Sebastian Fiebrig: Als wäre es der normale Lauf der Dinge gewesen.
Sebastian Fiebrig: Ja, das ist halt da überhaupt nicht der Fall.
Sebastian Fiebrig: Und ich will jetzt auch nicht die Geschichte von Jimmy Hoge bei Union Berlin dann weitererzählen.
Sebastian Fiebrig: Also bis 1964, manche schrieben auch 65, aber eigentlich 64 klingt plausibel.
Sebastian Fiebrig: Hat er bei Motor Köpenick gespielt.
Sebastian Fiebrig: Die sind dann in die DDR-Liga aufgestiegen.
Sebastian Fiebrig: 64 sind sie wieder abgestiegen und dann ist er zum TSC Berlin gewechselt, der weiter in der zweiten Liga da gespielt hat.
Sebastian Fiebrig: Und die Fußballabteilung vom TSC Berlin wird ja 1966 zum 1. FC Union Berlin.
Sebastian Fiebrig: So, was sagt Jimmy Hoge selbst zu dem Vorfall?
Sebastian Fiebrig: Und das ist halt das Blöde, wir erfahren es nicht wirklich.
Sebastian Fiebrig: Also im Buch von Matze Koch
Sebastian Fiebrig: Immer weiter ganz nach vorn wird er wie folgt zitiert.
Sebastian Fiebrig: Es ging nicht unbedingt um mehr Geld.
Sebastian Fiebrig: Ich hätte mich länger für die NVA verpflichten müssen.
Sebastian Fiebrig: Es handelte sich um den Zeitraum von drei, vier Jahren.
Sebastian Fiebrig: Die Armee war aber nicht meine Welt.
Sebastian Fiebrig: Ich wollte immer zu einem zivilen Club.
Sebastian Fiebrig: Ich habe aber nicht damit gerechnet, dass sie mich zu Motor Köpenick abschieben.
Sebastian Fiebrig: Also ich kann es mir vorstellen, dass das auch so war, aber die Verpflichtung hätte wahrscheinlich trotzdem auch die Beförderung und auch mehr Geld bedeutet.
Sebastian Fiebrig: Bloß gleichzeitig hätte es halt auch
Sebastian Fiebrig: Die Verpflichtung gegeben, weiter bei diesem Armeesportverein zu bleiben.
Sebastian Fiebrig: Der Armeesport Club, also ASK Berlin oder Vorwärts Berlin, hat ja in Strausberg trainiert.
Sebastian Fiebrig: Und dann in Berlin gespielt, war ursprünglich ein Leipziger Verein, der nach Berlin delegiert wurde.
Sebastian Fiebrig: Und dann 1971 nach Frankfurt (Oder).
Sebastian Fiebrig: Was wichtig ist noch, dass diese Abneigung gegen die Armee und die Dienstverpflichtung, wenn man dort spielen wollte, die hat mir auch jemand anders schon mal erzählt, nämlich Achim Menzel.
Sebastian Fiebrig: Als ich mit dem einmal telefoniert hatte.
Sebastian Fiebrig: Denn der hatte mir damals gesagt, dass er selbst in der U18 der Berliner Auswahl gespielt hat und in der Jugend von Vorwärts war.
Sebastian Fiebrig: Und sich auch nicht verpflichten wollte.
Sebastian Fiebrig: Seine Aussage war, ich war halt Rock'n'Roller.
Sebastian Fiebrig: Und der hatte dann erzählt, wie das war, dass er als er 18 war, dass die Leute vom Armeesportklub dann halt zu ihm nach Hause kamen.
Sebastian Fiebrig: Und er sollte da in die Armee eintreten und so weiter.
Sebastian Fiebrig: Und das wollte er nicht.
Sebastian Fiebrig: Das ist ungefähr die ähnliche Zeit.
Sebastian Fiebrig: Also Achim Menzel ist sechs Jahre jünger als Jimmy Hoge.
Sebastian Fiebrig: Also, das kann man schon so ein bisschen vergleichen von der Zeit.
Sebastian Fiebrig: Das heißt
Sebastian Fiebrig: Es war eine Zeit, in der Vorwärts noch sehr erfolgreich war.
Sebastian Fiebrig: Und die Einschätzung, die Jimmy Hoge dann in einem Interview 2015 gibt, die würde ich sagen, die passt auch zu dieser gesamten Erzählung.
Sebastian Fiebrig: Der sagte nämlich, der ASK war ein Armeeklub und das war einfach nicht mein Ding.
Sebastian Fiebrig: Zwar durfte man mit Zivilklamotten rumlaufen, aber das war schon alles sehr angestrengt.
Sebastian Fiebrig: Ich war nur einer von zwei Spielern, die in Berlin wohnten.
Sebastian Fiebrig: Der Rest war draußen in der Kaserne in Strausberg.
Sebastian Fiebrig: Warum ich dann zu Motor Köppening strafversetzt wurde, kann ich aber nicht sagen.
Sebastian Fiebrig: Ich würde sagen.
Sebastian Fiebrig: Also irgendeinen Grund wird es ja gegeben haben.
Daniel Roßbach: Das wollte ich auch gerade sagen, weil ich meine, nur dass man sich nicht zum ASK verpflichten will.
Daniel Roßbach: Das würde vielleicht dafür sprechen, dass man jetzt nicht da spielt, wo man gerne spielen will, aber so eine krasse Interpretierung.
Sebastian Fiebrig: Doch, doch, doch.
Sebastian Fiebrig: Also tatsächlich, also
Sebastian Fiebrig: Dass man da aus, wenn man da halt nicht, also man muss so ein bisschen die Zeit auch sehen und da gab es ja auch immer diesen Politunterricht für die Spieler und man musste da schon ein bisschen mitspielen, weil nur ideologisch gefestigte Personen durften auch wirklich da mitspielen.
Sebastian Fiebrig: Und das war halt teilweise auch in Stasi-Beobachtungen, da gab es auch so Berichte von MfS über einzelne Spieler.
Sebastian Fiebrig: Und wenn die halt zum Beispiel nicht ideologisch begründen konnten, warum sie quasi
Sebastian Fiebrig: de facto Berufsfußballer sind, wurde denen dann halt unterstellt, dass sie es halt nur für das Geld machen würden.
Sebastian Fiebrig: Und dann sind die ja relativ schnell rausgeflogen.
Sebastian Fiebrig: Also es gab unfassbar viele Karrieren, die da relativ zügig beendet wurden, auch
Daniel Roßbach: Das ist natürlich auch eine interessante Struktur, dass man den Leuten quasi diese Rolle selber gibt, dass die dahin delegiert werden im Zweifel auch.
Daniel Roßbach: Also wenn sich Jimmy Hogan hätte aussuchen können, wo er Oberligafußball spielt, dann hätte er sich vielleicht nicht ASK Vorwärts ausgesucht.
Daniel Roßbach: Und dann nachdem es diese Struktur begibt, muss man dann natürlich auch die ideologische Begründung dafür internalisieren
Daniel Roßbach: Das ist schon eine eigene Logik.
Sebastian Fiebrig: Ja, es ist tatsächlich schräg, aber wenn man so ein bisschen über das nachdenkt, was wir das letzte Mal in der Sendung hatten, über diese Industriesportvereinigungen, die BSG und dann später die Sportclubs, dann die FCs.
Sebastian Fiebrig: Und so weiter und so fort.
Sebastian Fiebrig: Das folgte so einer gewissen Logik, wurde aber halt gerade im Fußball nie komplett so durchgezogen.
Sebastian Fiebrig: Also insofern war das immer so ein Zwitter-Ding.
Sebastian Fiebrig: Und Jimmy Hoge sagte zum Beispiel auch: beim ASK Vorwärts bekamen wir Bananen und Apfelsinen zugeteilt, was ein ausgesprochenes Privileg war.
Sebastian Fiebrig: Ich bin trotzdem lieber Bockwurst und Brötchen essen gegangen, was viele nicht gerne gesehen haben.
Sebastian Fiebrig: Was ich ehrlich gesagt auch ein bisschen, also aus heutiger Sicht klingt das total schräg.
Sebastian Fiebrig: Aber ich kann empfehlen, also ich habe sehr viel aus diesem Buch von Hanns Leske, Vorwärts, Armeefußball im DDR-Sozialismus.
Sebastian Fiebrig: Da lernt man sehr viele Begebenheiten und merkt halt, dass sehr vielen Spielern, dass sie komisches Karriereinner hatten, um es mal so zu sagen.
Sebastian Fiebrig: Also das ist halt schon so, dass die dann halt, wenn sie politisch nicht zuverlässig waren, plötzlich einfach nicht mehr Oberliga spielen durften.
Sebastian Fiebrig: Jedenfalls.
Sebastian Fiebrig: haben wir am 3.
Sebastian Fiebrig: Januar 1962 diese Erwähnung in der Berliner Zeitung, dass Jimmy Hoge seine Armee-Zeit beendet hat.
Sebastian Fiebrig: Und das nächste Mal lesen wir erst wieder am 3.
Sebastian Fiebrig: Mai 1964 etwas über Jimmy Hoge in einem Spielbericht.
Sebastian Fiebrig: Und das war nämlich als.
Sebastian Fiebrig: Dynamo Hohenschönhausen 1:0 gegen Motor Köpenick gewonnen hat.
Sebastian Fiebrig: Also heißt, der ist ja quasi.
Sebastian Fiebrig: Nochmal diesen Bruch der Karriere kann man sich gar nicht krass genug vorstellen.
Sebastian Fiebrig: Also Nationalspieler, Meister
Sebastian Fiebrig: Quasi Offensivstar und dann dritte Liga und nichts findet mehr statt im Prinzip.
Daniel Roßbach: Ja, wo man ja noch mit bedenken muss, dass dritte Liga halt schon ein krasser Niveaubruch dann war in dem System.
Sebastian Fiebrig: Auf jeden Fall.
Sebastian Fiebrig: Und 1966 ist ja Union dann auch in die Oberliga aufgestiegen als 1. FC Union Berlin.
Sebastian Fiebrig: Und da gab es halt auch so eine Glückwunschseite in der Berliner Zeitung.
Sebastian Fiebrig: Und da gibt es auch ein Zitat von Jimmy Hoche, dass ich sage mal, wahrscheinlich nicht ganz original seine Worte sind.
Sebastian Fiebrig: Nach einigen Jahren der Unterbrechungen atme ich nun wieder Oberligaluft.
Sebastian Fiebrig: Ich wünsche mir dafür selbstverständlich eine gute Form und verspreche, dass ich versuchen werde, mannschaftsdienlicher zu spielen.
Sebastian Fiebrig: Selbstverständlich habe ich auch die Hoffnung, dass ich durch die Spiele in der höchsten Klasse wieder etwas mehr in den Blickpunkt unserer Auswahltrainer rücke und ich vielleicht doch mal wieder eine Chance bekomme, als Auswahlspieler eingesetzt zu werden.
Sebastian Fiebrig: Das gab es auch.
Sebastian Fiebrig: Also der hatte nochmal vier Länderspiele.
Sebastian Fiebrig: Und der
Sebastian Fiebrig: Jetzt habe ich den Namen schon wieder vergessen, Nationalmannschaftstrainer.
Sebastian Fiebrig: Der kam tatsächlich, als Jimmy Hoge bei Motor Küpernick war, tatsächlich auf dem Sportplatz Wendenschlossstraße vorbei und hat gesagt, dass er sich darum kümmert, dass er woanders hin delegiert wird.
Sebastian Fiebrig: Also, der wollte Jimmy Hoge wieder zurückhaben.
Daniel Roßbach: Was aber dann trotzdem nicht passiert ist.
Sebastian Fiebrig: Doch, also der ist ja dann, aber mit ein bisschen Umwegen.
Sebastian Fiebrig: Also, das hat ein bisschen noch gedauert.
Sebastian Fiebrig: Das ist eigentlich schon die gesamte Geschichte, weil richtig aufklären, was genau da vorgefallen ist, also welche Worte, also dass man heute irgendwie in eine Zeitung guckt und sagt, er gibt ein Interview, das war so und so.
Sebastian Fiebrig: Andere Person sagt, nee, das war so und so.
Sebastian Fiebrig: Haben wir natürlich nicht.
Sebastian Fiebrig: Und Jimmy Hoge selbst hat von sich heraus darauf verzichtet, zu Lebzeiten in seine Stasi-Akten gucken zu wollen, weil er gesagt hat, das ist halt nun passiert, ich habe nichts davon, wenn ich irgendwie.
Sebastian Fiebrig: Das jetzt wieder aufmache.
Sebastian Fiebrig: Aber es ist halt sehr tragisch.
Sebastian Fiebrig: Und was ich besonders traurig fand, ehrlich gesagt, jetzt nur noch zum Anschluss, hat jetzt mit der Geschichte gar nicht so viel zu tun, aber.
Sebastian Fiebrig: In diesem Interview 2015 waren so die letzten Sätze waren halt von ihm.
Sebastian Fiebrig: Da wurde er gefragt, was sein größter Wunsch jetzt noch wäre.
Sebastian Fiebrig: Und er hat gesagt, wenn mir jemand bei Union versprechen könnte, dass sie innerhalb der nächsten fünf Jahre in die Bundesliga aufsteigen würden, würde ich noch die fünf Jahre an die 75 dranhängen.
Sebastian Fiebrig: Also Union hat es geschafft, aber Jimmy Hogan nicht.
Sebastian Fiebrig: Er ist 2017 gestorben.
Sebastian Fiebrig: Und ehrlich gesagt, ich hätte es ihm schon gegönnt, das mitzuerleben.
Sebastian Fiebrig: Weil es halt so ein Ding ist, was er nie erleben durfte.
Sebastian Fiebrig: Ja, also so diese Art von Fußball, wo es nur um
Sebastian Fiebrig: Sport ging, also der war bestimmt jetzt nicht so ein einfacher Charakter, aber es war halt vor allem keiner, der irgendwie in dieses, naja, ich sag mal, merkwürdige Politsportsystem gepasst hat.
Daniel Roßbach: Eben, weil also jemand, der sich halt wirklich, also man kann ja sich zwei Varianten von Leuten vorstellen, die da, ohne das jetzt den Leuten, die da, bei denen das funktioniert, irgendwie zuvor aufmachen zu waren.
Daniel Roßbach: Aber wenn man sich halt wirklich nur so auf seinen Sport konzentriert und da einfach vor sich hinarbeitet, dann kann man sich damit wahrscheinlich arrangieren oder wenn man halt da ansonsten in das System reinpasst, aber wenn man halt nicht so einen schnurgeraden Fokus hat
Daniel Roßbach: und dass es halt quer liegt zu dem System, dann sieht man ja an so einer Geschichte wie Dates, dass es halt auch nicht so viel braucht, um irgendwie da anzuegmen, da rauszufallen.
Daniel Roßbach: Und dann halt in dem Fall schon irgendwie fünf der wirklich guten Jahre, die man sportlich so hat, dann auch zu verlieren.
Daniel Roßbach: Es war jetzt bei Hoge dann gewissermaßen noch Glück, dass er überhaupt nochmal die Chance hatte, dann auf hohem Niveau nochmal zu spielen.
Sebastian Fiebrig: Ja, aber halt, also am Ende muss man sagen, es war dann halt auch tatsächlich sehr kurz.
Sebastian Fiebrig: Einerseits durch Verletzung dann halt diese Sperren, die er dann hatte.
Sebastian Fiebrig: Das war schon, also der hat nur drei oder vier Jahre auf wirklich hohem Oberliganiveau da gespielt.
Sebastian Fiebrig: Und das war es, ehrlich gesagt.
Sebastian Fiebrig: Und das ist echt bitter, wenn man sich das so anschaut.
Sebastian Fiebrig: Okay, Daniel.
Sebastian Fiebrig: Das war meine Geschichte dieses Mal.
Sebastian Fiebrig: Und ich bin ehrlich gesagt sehr gespannt, was du das nächste Mal erzählen wirst.
Sebastian Fiebrig: Und wer mehr dazu, wie gesagt, wissen möchte, ich kann das Buch
Sebastian Fiebrig: von Hanns Leske empfehlen.
Sebastian Fiebrig: Da gibt es nicht mehr zu Jimmy Hoge, aber da gibt es mehr über diesen Armeesportverein, der nun wirklich die Schrägste aller
Sebastian Fiebrig: Verpflanzungen eigentlich vor sich so vorzuweisen hat.
Sebastian Fiebrig: Der hat nur mal kurz, der wurde als Verein der Kasernierten Volkspolizei in Leipzig quasi
Sebastian Fiebrig: gegründet, das wurde denen da aber nicht gesagt irgendwie.
Sebastian Fiebrig: Dann haben sie ganz viele Spieler von Chemie Leipzig genommen, weshalb sie total verhasst waren in Leipzig, weshalb sie dann Hals über Kopf nach Berlin delegiert wurden, Anfang der 50er Jahre.
Sebastian Fiebrig: Aber die Mannschaft hat noch in Leipzig gewohnt drei Jahre lang und trainiert.
Sebastian Fiebrig: Die sind immer nur für Spiele nach Berlin gefahren.
Sebastian Fiebrig: Und dann haben sie halt von 55 bis.
Sebastian Fiebrig: 71 in Berlin gespielt, Jahnsportpark bzw.
Sebastian Fiebrig: Walter-Ulbricht-Stadion, aber in Strausberg halt trainiert da, wo das
Sebastian Fiebrig: Verteidigungsministerium, war und sind dann halt nach Frankfurt-Oder delegiert worden, weil sie halt als Club der bewaffneten Organe
Sebastian Fiebrig: Ähnlich wie der BFC Dynamo, nicht ganz so beliebt sein in der Bevölkerung.
Sebastian Fiebrig: Wir hatten einen relativ niedrigen Zuschauerschnitt zu Hause, also immer niedriger als auswärts, deutlich niedriger.
Sebastian Fiebrig: Und haben halt gedacht, naja, dann halt Frankfurt (Oder) und dann treffen sie quasi als tolle Mannschaftsfeier nur eine wirklich sehr starke Mannschaft, die sechsmal DDR-Meister geworden in der Zeit.
Sebastian Fiebrig: Bis 1969 und dann treffen sie quasi auf eine ausgehungerte Bevölkerung.
Sebastian Fiebrig: Der Bezirk Frankfurt hatte ja gar keine Oberligamannschaft.
Sebastian Fiebrig: Stellt sich heraus, erstens, wenn man aus Berlin kommt, damals über eine Million Einwohner, nach Frankfurt (Oder) 60.
Sebastian Fiebrig: 000 Einwohner.
Sebastian Fiebrig: Dass die Spieler schon so ein bisschen ernüchtert waren, einerseits, und andererseits der Zuschauerschnitt auch total runterging.
Sebastian Fiebrig: Und sie haben es eigentlich total verbockt mit diesem Leistungszentrum, die sind in die zweite Liga abgestiegen, kein Mensch hat sich für die eigentlich richtig interessiert.
Sebastian Fiebrig: Um es kurz zu machen.
Sebastian Fiebrig: Aber das ist halt tatsächlich eine sehr spannende Geschichte, liest sich ganz gut und Hanns Leske hat tatsächlich
Sebastian Fiebrig: Sehr viel Arbeit auch investiert in bestimmte Spielerporträts danach zu schauen, hat ein bisschen erzählt über Operativvorgänge, also Überwachung von Spielern.
Sebastian Fiebrig: Was tatsächlich interessant war, wie dann halt, wenn die trainiert haben, dann in der Umkleidekabine der Schlüssel entwendet wurde, ein Duplikat und wieder zurück und so weiter und so fort, damit sie halt in die Wohnung einbrechen können.
Sebastian Fiebrig: Also es ließ sich tatsächlich sehr spannend, kann ich empfehlen.
Daniel Roßbach: Gut.
Daniel Roßbach: Klingt spannend, ja.
Sebastian Fiebrig: Ja, ist es auch.
Daniel Roßbach: Auch bizar vor allem.
Sebastian Fiebrig: Ja, aus heutiger Sicht total bizarr, aber ich glaube so aus
Sebastian Fiebrig: Wenn man sich halt vorstellt, dass es halt im normalen Ligabetrieb einen Armeesportclub gibt, dann halt doch nicht so bizarr.
Daniel Roßbach: Ja, abgesehen davon, dass man sich fragen kann, wie ja, weltfremd oder fern so die
Daniel Roßbach: die Überlegung war, wo man dann jetzt auf mehr Zuspruch für diese Sorte Vereine dann irgendwie trifft.
Sebastian Fiebrig: Ja.
Sebastian Fiebrig: Gut, Dani, dann können wir ja kurz zum Feedback-Hinweisblock kommen.
Sebastian Fiebrig: Willst du es machen?
Daniel Roßbach: Ja, gerne.
Daniel Roßbach: Ihr könnt uns auf Twitter folgen und uns da auch anschreiben, natürlich.
Daniel Roßbach: Da sind wir
Daniel Roßbach: At unv-podcast unter dem Nickname zu finden.
Daniel Roßbach: Ihr könnt uns natürlich auch Kommentare auf der Webseite selber schreiben.
Daniel Roßbach: Die heißt
Daniel Roßbach: und minus niemals-vergessen-podcast.
Daniel Roßbach: de.
Daniel Roßbach: Das ist eigentlich so die beste Weise, Feedback zu geben.
Daniel Roßbach: Denn das ist der Ort, den auch alle anderen finden, wenn sie
Daniel Roßbach: sich für die Folge interessieren, wenn sie Feedback geben wollen und dann kann man da auch diskutieren.
Daniel Roßbach: Das ist eigentlich immer ganz schön.
Daniel Roßbach: Wenn ihr uns aber persönlich Feedback geben wollt, dann könnt ihr uns E-Mails schreiben.
Daniel Roßbach: Daniel oder Sebastian oder info at unminus niemals-vergessen-podcast.
Daniel Roßbach: de.
Daniel Roßbach: Und diese Adressen könnt ihr vor allem auch verwenden, wenn ihr uns Themenhinweise geben wollt.
Daniel Roßbach: Dann am besten eben nur einen von uns raussuchen und uns dann eben Ideen, vielleicht Quellen vorbeisechicken, die wir uns mal anschauen können.
Daniel Roßbach: Natürlich könnt ihr uns abonnieren als Podcast in der
Daniel Roßbach: App für das freie Podcast-Ökosystem eurer Wahl.
Sebastian Fiebrig: Ja, also in der Podcast-App eurer Wahl.
Sebastian Fiebrig: Wenn ihr unbedingt auf Spotify das machen wollt, dann macht ihr es halt auf Spotify oder DeSe.
Daniel Roßbach: Wenn ihr das antun wollt, könnt ihr uns auch auf Spotify hören.
Sebastian Fiebrig: Dann könnt ihr das da machen.
Sebastian Fiebrig: Ihr könnt uns
Sebastian Fiebrig: bewerten und so weiter und so fort.
Sebastian Fiebrig: Und noch ein Hinweis: Auf unserer Website zu dieser Episode findet ihr auch alle Quellen zu dieser Episode.
Daniel Roßbach: Und ein Skript zumindest bei den Folgen, die Sebastian macht.
Sebastian Fiebrig: Ja, Dani, vielleicht tue auch mal.
Sebastian Fiebrig: Na gut, dann hören wir uns in drei Wochen und ich bin unfassbar gespannt.
Sebastian Fiebrig: Bis dann.
Daniel Roßbach: Ciao.
Sebastian Fiebrig: Ich hatte das nämlich null auf den Schirm, dass Jimmy Hogel bei einem anderen Verein als Union mal war.